Mittwoch, 28. Juli 2010
Afghanistan-Geheimakten: Hunderte Informanten in Gefahr
Die Geheimakten über den Afghanistan-Krieg offenbaren nicht nur ein umfassendes Bild vom Krieg - sie bringen auch viele hundert Informanten in Lebensgefahr. Das Kabuler Außenministerium sieht eine "echtes Risiko".
Ein US-Soldat und ein afghanischer Soldat bei der Operation "Moshtarak" in Badula Qulp in der afghanischen Provinz Helmand im Februar 2010.
(Foto: dpa)
Die Veröffentlichung tausender US-Geheimdokumente zum Afghanistan-Einsatz gefährdet nach einem Pressebericht hunderte Informanten der NATO-Truppen in dem Land. Nur kurze Recherchen in den auf der Website WikiLeaks veröffentlichten Akten genügten, um dutzende Namen von Afghanen zu finden, die den USA und ihren Alliierten detaillierte Informationen geliefert hätten, berichtete die britische Zeitung "The Times". In einem Dokument aus dem Jahr 2008 werde etwa ein ausführliches Gespräch mit einem Taliban-Kämpfer wiedergegeben, der zu den Alliierten überlaufen wolle und auch die Namen anderer solcher Kandidaten nenne.
WikiLeaks-Gründer Julian Assange hatte nach der Veröffentlichung von rund 77.000 US-Dokumenten gesagt, diese seien auf Namen von Informanten geprüft worden, um diese nicht in Gefahr zu bringen. 15.000 weitere Akten seien zum Informantenschutz zurückgehalten worden.
Die Veröffentlichung stelle "sicherlich ein echtes Risiko und eine Gefahr für das Leben und die körperliche Unversehrtheit vieler Afghanen" dar, sagte ein hochrangiger Vertreter des afghanischen Außenministeriums, der nicht genannt werden wollte, der "Times". "Die USA sind sowohl moralisch als auch rechtlich verantwortlich für jedes Leid, das durch die undichten Stellen bei Einzelpersonen verursacht wird." Letztlich werde die Veröffentlichung zur Folge haben, dass die USA und ihre Alliierten noch weniger Informanten in Afghanistan finden würden.
AFP
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