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Sabrata nach dem US-Luftschlag: Der Überfall auf das Stadtzentrum zeigt, wie stark die IS-Milizen in der Region sind.
Sabrata nach dem US-Luftschlag: Der Überfall auf das Stadtzentrum zeigt, wie stark die IS-Milizen in der Region sind.(Foto: imago/Xinhua)

Opfern die Kehle durchtrennt: IS greift westlich von Tripolis an

Der schwere Luftangriff des US-Militärs kann den Vormarsch des "Islamischen Staates" in Libyen offenbar nicht stoppen. Bei einem Überraschungsangriff im Nordwesten des Landes verüben die Dschihadisten grausame Verbrechen.

Bei einem brutalen Überfall haben IS-Kämpfer kurzzeitig das Zentrum der westlibyschen Stadt Sabrata unter Kontrolle gebracht und dabei mindestens 16 Menschen getötet. Einigen Opfern sei die Kehle durchgeschnitten worden, meldete die libysche Nachrichtenagentur LCNA. Auch fünf Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) seien bei den Gefechten ums Leben gekommen.

In Libyen herrscht Krieg: Hier ein Blick auf einen zerstörten Straßenzug in Bengasi.
In Libyen herrscht Krieg: Hier ein Blick auf einen zerstörten Straßenzug in Bengasi.(Foto: AP)

Das Ziel des Angriffs blieb unklar. Lokale Kräfte hätten die Kontrolle mittlerweile zurückgewonnen, hieß es. Die Lage sei aber angespannt. Der Chef des lokalen Militärrates, Tahir al-Gharabili, sagte dem Sender Libya Channel, IS-Anhänger hätten am Vorabend mehrere Gebäude im Zentrum Sabratas eingenommen, darunter die Polizeidirektion. Es habe sich um 150 bis 200 Anhänger der Extremisten gehandelt.

Islamisten nutzen das Chaos

Die Mehrheit von ihnen komme aus Tunesien, behauptete al-Gharabili. Sabrata (auch: Sabratha) liegt westlich von Tripolis an der Mittelmeerküste auf halber Strecke zur tunesischen Grenze. Von Sabrata bis zum Grenzübergang Ra's Ajdir sind es gut 90 Kilometer. Sollten sich die IS-Anhänger hier festsetzen, wäre die größte Metropole Libyens, das knapp 1,8 Millionen Einwohner zählende Tripolis, von der Einschließung durch Einheiten des IS bedroht.

Bislang konzentrierten sich die Aktivitäten der IS-Anhänger in Libyen vor allem in der weiter östlich gelegenen Küstenregion rund um Sirte. Um den Vormarsch des IS zu schwächen, hatte das US-Militär vor dem vergangenen Wochenende ein angebliches "Terrorcamp" der Islamisten bei Sabrata bombardiert. Dabei kamen nach lokalen Angaben mehr als 40 Menschen ums Leben, darunter auch zwei serbische Diplomaten, die vom IS als Geiseln gehalten wurden.

In Libyen herrscht seit dem Sturz von Diktator Muammar al-Gaddafi ein erbitterter Bürgerkrieg. Zahlreiche Milizen bekämpfen sich. Das Land ist gespalten zwischen konkurrierenden Interessen regionaler Machthaber. Extremisten wie etwa der IS versuchen, sich das Chaos zunutze zu machen.

Ein Land, zwei Regierungen

Auf politischer Ebene stehen sich noch immer zwei rivalisierende Regierungen und Parlamente gegenüber: Neben dem international anerkannten Abgeordnetenhaus in der ostlibyschen Stadt Tobruk exisitiert noch eine von Islamisten dominierte Kammer in Tripolis. Bislang scheiterten alle Versuche, eine unter UN-Vermittlung ausgehandelte Einheitsregierung zu bilden.

100 Mitglieder des Tobruk-Parlaments erklärten erst am Vortag ihre Unterstützung für die neue politische Führung. Wegen des Widerstands anderer Parlamentarier steht die benötigte offizielle Zustimmung des Abgeordnetenhauses jedoch noch aus.

In der Zwischenzeit wird der Streit um die Macht und die Zukunft in Libyen auch auf militärischer Ebene ausgetragen: Soldaten der international anerkannten Regierung brachten zuletzt nach eigenen Angaben die Stadt Bengasi nach zweijährigen Kämpfen vollständig unter ihre Kontrolle. Der Sieg der Truppen des einflussreichen, aber umstrittenen Generals Chalifa Haftar über islamistische Milizen wurde auch von Einwohnern bestätigt.

Quelle: n-tv.de

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