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UN-Inspektoren hatten bereits 2013 den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien bestätgit - damals allerdings noch vonseiten des Assad-Regimes.
UN-Inspektoren hatten bereits 2013 den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien bestätgit - damals allerdings noch vonseiten des Assad-Regimes.(Foto: picture alliance / dpa)

Experte: Einsatz denkbar: IS stellt womöglich Chemiewaffen her

Die Anzeichen sind alarmierend: Allem Anschein nach ist die Terrormiliz in der Lage, Senfgas "und andere Waffen" selbst zu produzieren - zwei Mal sollen die Giftgemische bereits zum Einsatz gekommen sein. Ein Experte warnt: Die Gefahr betrifft alle Staaten.

Der Islamische Staat (IS) ist womöglich in der Lage, selbst Chemiewaffen herzustellen. Nach Angaben des Generaldirektors der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW), Ahmet Üzümcü, ist nicht auszuschließen, dass die Terrormiliz in Syrien und im Irak bereits Senfgas eingesetzt hat. Obwohl die IS-Kämpfer im Irak zeitweise zwei Standorte mit Chemiewaffen kontrolliert hätten, sei es ihnen bis zu ihrer Vertreibung nicht möglich gewesen, sich Zugang zu den Bunkern zu verschaffen. Es bestehe daher der begründete Verdacht, dass sie Senfgas "und andere Waffen" eigenständig herstellen könnten, sagte Üzümcü der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

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Konkret werde der IS für den Einsatz von Senfgas in zwei Fällen in Syrien und dem Irak verantwortlich gemacht. OPCW-Teams hätten den Einsatz dort zwar nachgewiesen, doch habe nicht zweifelsfrei geklärt werden können, wer dafür verantwortlich ist, so Üzümcü. Trotzdem biete dies Anlass zur Sorge und sei alarmierend für alle Staaten: "Wenn sie das wirklich in Syrien und im Irak verwendet haben, kann es auch sonstwo eingesetzt werden". Ehemalige irakische Soldaten, die noch an dem Chemiewaffenprogramm unter dem gestürzten Diktator Saddam Hussein beteiligt gewesen seien, arbeiten dem OPCW-Chef zufolge heute für den IS.

Besitzt Syriens Regime weiter Chemiewaffen?

Seitdem die OPCW am 1. Oktober 2013 ihre Arbeit zur Zerstörung der syrischen Chemiewaffen aufgenommen hat, wurden laut Üzümcü in Syrien keine Nervengase - wie etwa Sarin - mehr eingesetzt, in "80 bis 90 Fällen" aber gepresstes Chlor- und Senfgas. Dennoch werfen einige OPCW-Mitgliedstaaten auch der syrischen Regierung vor, weiter Chemiewaffen zu besitzen, die sie nicht deklariert habe und die somit nicht zerstört worden seien. Das betreffe Produktionsstätten für Rizin und freifallende Bomben.

Die OPCW hat 192 Mitgliedstaaten und überwacht als eine von der Uno unterstützte Organisation die Einhaltung der internationalen Konvention zum Verbot von Chemiewaffen aus dem Jahr 1993, die 1997 in Kraft trat. Seit Bestehen der Organisation seien bereits 91 Prozent der weltweit gemeldeten Chemiewaffen zerstört worden, so Üzümcü. 2013 hatte er in Oslo für die OPCW den Friedensnobelpreis entgegengenommen.

Quelle: n-tv.de

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