Samstag, 14. August 2010
Mitarbeiter in Gefahr: ISAF kritisiert WikiLeaks
Die Aufdeckung von Bürgerrechtsverstößen in allen Ehren, aber darf man dafür die Gefährdung von Menschen in Kauf nehmen, die die ISAF in Afghanistan unterstützen? Die Fragen an die WikiLeaks-Betreiber werden drängender.Die NATO-Truppe ISAF hat die von der Internetplattform WikiLeaks geplante Veröffentlichung weiterer Geheimakten zum Afghanistan-Einsatz scharf kritisiert. "Schon die bisherigen Veröffentlichungen waren strafrechtlich relevant und moralisch unverantwortlich", sagte der deutsche ISAF-Sprecher Josef Blotz der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Gerade die Namensnennung von afghanischen Mitarbeitern der ISAF und von internationalen Hilfsorganisationen sei "besonders verwerflich, weil sie diese Menschen einer zusätzlichen Gefährdung aussetzt", sagte Blotz.
Er bezeichnete die Veröffentlichung der auf Enthüllungsgeschichten spezialisierten Internetseite als "fehlgeleitete Aktion", die das von der internationalen Gemeinschaft unterstützte Friedens- und Versöhnungsprogramm der afghanischen Regierung behindern könne. "Vertrauen kann verspielt werden", sagte der Brigadegeneral.
WikiLeaks-Betreiber Julian Assange hatte am Donnerstag angekündigt, 15.000 weitere Geheimdokumente ins Internet zu stellen. "Wir sind besorgt, dass die zusätzlichen Dokumente größere Gefahren darstellen als die bereits veröffentlichten", erklärte Pentagon-Sprecher David Lapan dazu.
Menschenrechtler besorgt
Auch verschiedene Menschenrechtsorganisationen wie "Reporter ohne Grenzen" und "Amnesty International" warfen WikiLeaks verantwortungsloses Verhalten vor. Wikileaks habe in der Vergangenheit wiederholt eine nützliche Rolle gespielt, indem etwa Bürgerrechtsverstöße der einstigen Bush-Regierung im Antiterrorkrieg offengelegt worden seien. "Aber die Identität von hunderten Menschen zu enthüllen, die mit der Koalition in Afghanistan zusammengearbeitet haben, ist höchst gefährlich."
Amnesty International forderte Wikileaks auf, mehr zu tun, um Namen aus den Dokumenten zu entfernen. Man habe bereits "die negativen, manchmal tödlichen Folgen für jene Afghanen erlebt, von denen bekanntgeworden ist, dass sie mit den internationalen Streitkräften zusammenarbeiten und mit ihnen sympathisieren", heißt es in einem Brief an die Betreiber der Plattform.
Neue Dokumente liegen bereit
Ungeachtet des Drucks der US-Regierung bekräftigte Assange auf einer Pressekonferenz in Stockholm, "in einigen Wochen" 15.000 interne Unterlagen öffentlich zu machen. Wikileaks hatte Ende Juli 90.000 Dokumente zum Afghanistan-Einsatz ins Internet gestellt und damit vor allem bei den Regierungen in Washington und Kabul für Empörung gesorgt.
AFP/dpa
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