Politik
Philipp Rösler - Demut statt Demontage.
Philipp Rösler - Demut statt Demontage.(Foto: dpa)

Rösler verabschiedet sich von der Parteispitze: "Ich blicke zurück in Dankbarkeit"

Von Issio Ehrich

Philipp Rösler hält auf dem Parteitag der Liberalen in Berlin seine Abschiedsrede von der FDP-Spitze. Trotz Intrigen und Putschversuche gegen ihn lässt er sich nicht zu einer Abrechnung hinreißen - im Gegenteil. Beginnt so der Imagewechsel der FDP?

Herzlich beginnt der Abschied der FDP von ihrem Vorsitzenden Philipp Rösler nicht: Auf ihrem Parteitag in Berlin billigen die Liberalen dem 40-Jährigen nur eine halbe Stunde für seine Rede zu, und selbst das ist manch einem Delegierten nicht kurz genug. Rudolf Rentschler fordert, die Redezeit Röslers auf fünf Minuten zu verkürzen.

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Zu einer Abstimmung über den Antrag kommt es am Ende nicht. Generalsekretär Patrick Döring greift ein, sagt: "Ich finde, dass ein scheidender Vorsitzender Rechenschaft ablegen und dafür auch ausreichend Zeit bekommen sollte." Rechenschaft ablegen - auch das klingt allerdings nicht sonderlich versöhnlich.

Doch wer hätte damit auch gerechnet? Putschversuche, Intrigen, Demontage - die FDP ist nicht bekannt dafür, wohlwollend mit Vorsitzenden umzuspringen, die nicht liefern. Und unter Rösler scheiterte die Partei erstmals in ihrer Geschichte am Einzug in den Bundestag. Der scheidende Parteivorsitzende fügt sich in Berlin, wo die FDP an diesem Wochenende ihre neue Parteispitze wählt, seinem Schicksal. Rösler zeigt Reue, wirbt um Mitgefühl.

Danksagungen statt Abrechnung

"Mir tut am meisten weh, dass ich Ihre Erwartungen nicht erfüllen konnte, die auch meine eigenen Erwartungen gewesen sind", sagt der scheidende Vorsitzende. Kritik an seinen Mitstreitern deutet er nur an. "Wir dürfen nie wieder nur ein großes starkes Thema haben", sagt er und spricht damit den Steuersenkungskurs seines Vorgängers Guido Westerwelle an. Er fügt aber prompt hinzu: Ihm sei es nicht gelungen, das in seiner Amtszeit zu ändern. Auch auf die Putschversuche aus den eigenen Reihen und die öffentliche Kritik von Kollegen reagiert er mit Demut. "Ich hätte mich über ein bisschen mehr Unterstützung gefreut", sagt Rösler, fügt aber hinzu: "Mir ist es eben nicht gelungen, aus den unterschiedlichen Charakteren, ein starkes Team zu machen".

Bestimmendes Element Röslers Rede sind seine Danksagungen - an die ehemaligen Mitglieder der Bundestagsfraktion, an Wahlkampfhelfer, an das Parteipräsidium. Röslers Abschlussrede ist keine Abrechnung. Die FDP sei "meine Heimat und mein Zuhause". Gegen Ende seiner Rede sagt er gar: "Ich blicke zurück in Dankbarkeit."

"Hören Sie auf, aufeinander einzuprügeln"

Nach dem frostigen Auftakt des Parteitages erntet er für seine Worte überraschend viel Applaus, die Delegierten stehen für ihren Noch-Vorsitzenden sogar auf. Es scheint fast so, als hätte Rösler mit seinen Worten einen Nerv getroffen.  Immer mehr Liberalen stößt der parteiinterne Kannibalismus auf.  Diesen Eindruck erwecken zumindest die Reden der Delegierten nach Röslers Auftritt - vor allem der jungen Liberalen.

Der neue Vorsitzende der Julis Alexander Hahn spricht von "Verabscheuungswürdigem" und "Widerlichem", was Rösler widerfahren sei. "Hören sie auf, aufeinander einzuprügeln", appelliert Konstantin Kuhle an die Liberalen. 

Trotz heftiger inhaltlicher Kritik am Kurs der FDP ertönen in der Debatte immer wieder Sätze wie: "Wir sind eine Familie" oder "Stil, Anstand und Respekt" sollten wieder selbstverständlich sein in der FDP. Einige fordern "mehr Herz".

Kehrt so in der FDP ein neuer Umgang miteinander ein? Oder sind die Nettigkeiten, die Appelle an mehr Herzlichkeit nur der Versuch, eine neue Kommunikationsstrategie zu erproben? Spätestens bei der Wahl von Röslers Nachfolger - Christian Lindner soll den Posten übernehmen - wird sich das zeigen. Vor dem Parteitag begann schon manch ein Liberaler in alter Manier mit der Demontage des 34-Jährigen. Auch die Kandidatur des Eurokritikers Frank Schäffler ist entscheidend. Sollten die Delegierten ihn in das Präsidium wählen, wäre es ein klarer Angriff auf den europafreundlichen Kurs Lindners.

Quelle: n-tv.de

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