Politik
Video

"Kommando Norbert Blüm": Idomeni: Wer steckt hinter dem Flugblatt?

Von Markus Lippold

Hunderte Flüchtlinge verlassen das griechische Lager Idomeni und überqueren auf eigene Faust die Grenze zu Mazedonien. Ein Flugblatt soll die Aktion ausgelöst haben. Verweist dessen Unterschrift auf Aktivisten aus Deutschland?

Als der langjährige deutsche Arbeitsminister Norbert Blüm Ende vergangener Woche das Flüchtlingslager nahe des griechischen Ortes Idomeni besuchte, fand er klare Worte für die dortigen Zustände: "Anschlag auf die Menschlichkeit" nannte er die Lage der dortigen Migranten, die auf ein Weiterkommen nach Norden hoffen.

Hunderte Menschen überquerten den kleinen Grenzfluss nach Mazedonien - wo sie von Polizei und Armee festgesetzt wurden.
Hunderte Menschen überquerten den kleinen Grenzfluss nach Mazedonien - wo sie von Polizei und Armee festgesetzt wurden.(Foto: AP)

"Diese Art von Brutalität ist unwürdig der europäischen Kultur", sagte der 80-Jährige beim Besuch des Lagers an der Grenze zu Mazedonien - und sprach von einer "Kulturschande". Scharfe Kritik übte er auch an den Balkanländern, die ihre Grenzen für Flüchtlinge geschlossen haben: "Die ziehen sich bequem zurück und sagen, Griechenland soll damit zurechtkommen", sagte Blüm. Sein Europa sei das nicht.

Um ein Zeichen zu setzen, besuchte er das Lager nicht nur, er verbrachte dort auch eine Nacht in einem Zelt. "Ich möchte nicht einfach nur so durch das Lager gehen wie ein Tourist. Ich möchte ein Stück Dasein teilen, das Elend teilen", sagte der Politiker. Kein Wunder also, dass der Name Blüm nun auch auf einem Flugblatt auftauchte, das offenbar die Massenflucht aus Idomeni nach Mazedonien auslöste. Schließlich war das Ziel der offenbar geplanten Aktion, die abgeriegelten Grenzen zu überwinden.

"Grenze ist zu und wird zu bleiben"

Blüm selbst distanzierte sich von dem Flugblatt, verurteilte die Flüchtlinge aber nicht: "Ich habe Verständnis für die Verzweiflungstat, die ich jedoch nicht initiiert habe", sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur. Er habe erst nach der Aktion davon erfahren, zitiert ihn die "Bild"-Zeitung. Gleichwohl verweist die kurios anmutende Unterschrift "Kommando Norbert Blüm", die unter dem Schriftstück steht, auf dessen Besuch bei den Flüchtlingen und seine anschließende Kritik an der europäischen Flüchtlingspolitik.

"Die griechisch-mazedonische Grenze ist zu und wird zu bleiben", heißt es im ersten Teil des Flugblatts. Unter der Überschrift "Die Lösung" heißt es dann: "Der Zaun, der vor Ihnen steht, soll Sie in die Irre führen, damit Sie glauben, die Grenze sei geschlossen. Der Zaun endet fünf Kilometer von hier." Es folgen Anweisungen, wie man in eine Gegend gelangt, in der es keinen Zaun gibt. Darunter ist eine entsprechende Karte abgebildet.

"Wenn Sie aber zu Tausenden versuchen, gleichzeitig über die Grenze zu kommen, wird die Polizei Sie nicht stoppen können", heißt es weiter unten auf dem Schriftstück. Ein Irrtum: Polizei und Armee nahmen Hunderte über die Grenze geflohenen Menschen fest. Sie sollten zurück nach Griechenland gebracht werden - ins Lager Idomeni.

Mazedonien ermittelt

Wer tatsächlich hinter dem Flugblatt steckt, ist derweil unklar. Verweist die Unterschrift auf dem ansonsten in Arabisch verfassten Schriftstück auf deutsche Aktivisten? Auch die mazedonischen Behörden gehen diesem Verdacht nach, meldet "Bild" unter Berufung auf den Sicherheitsberater des Präsidenten Gjorge Ivanov. Darauf deutet auch die kämpferische Bezeichnung "Kommando" hin. Bilder vom Grenzübertritt zeigen zudem deutsche Flüchtlingshelfer und Journalisten mit Fotoapparaten, die über die Grenze fliehenden Migranten begleiten.

Dass das Flugblatt den Exodus Hunderter Migranten auslöste, sieht die griechische Regierung als erwiesen an: "Wir haben in unseren Händen Flugblätter, die zeigen, dass das eine organisierte Aktion war", sagte der Sprecher des Krisenstabes für die Flüchtlingskrise, Giorgos Kyritsis, in Athen. Kritik übte der Krisenstab am Inhalt des Schriftstücks: Es verbreite Falschinformationen über die Absichten der Regierung. Man sollte der Regierung vertrauen, forderte Kyritsis die Migranten auf.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen