Vor allem für Drohnenangriffe sollen die Informationen genutzt worden sein.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Montag, 15. März 2010
US-Beamter baut illegalen Spionagering auf: "Private" Aufklärung in Kriegsgebiet
Dass keine der Antiterror-Operationen der USA ohne Geheimdienstaufklärung auskommt, dürfte auch dem Letzten klar sein. Das private Spionagenetzwerk, das ein Beamter des US-Verteidigungsministeriums aufbaute, ist jedoch komplett illegal.Offiziell arbeitete er für ein unverdächtiges Programm zur Informationsbeschaffung. Unter diesem Deckmantel soll Michael Furlong, Beamter im US-Verteidigungsministerium, jedoch ein geheimes Netz privat angeheuerter Spionen in Afghanistan und Pakistan aufgebaut und betrieben haben. Ihr Ziel: Mutmaßliche Extremisten aufspüren und töten, wie die "New York Times" berichtete.
Furlong habe diese Mitarbeiter bei privaten Sicherheitsfirmen gefunden, die frühere Agenten des Geheimdienstes CIA und Mitglieder von Spezialeinheiten der Streitkräfte beschäftigten, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf Militärs und Geschäftsleute in Afghanistan und den USA. Sie hätten Informationen über den Aufenthaltsort von verdächtigen Extremisten und die geografische Lage von Lagern von Aufständischen beschafft. Diese Angaben seien an Einheiten der Streitkräfte und Geheimdienstoffiziere für mögliche "tödliche Aktionen" in Afghanistan und Pakistan weitergegeben worden.
Strafrechtliche Untersuchung
Unklar sei, ob Furlongs Aktivitäten von offizieller Seite gebilligt oder überwacht worden sei. Das Netz könnte mit abgezweigten Geldern aus dem Programm zur generellen Informationsbeschaffung finanziert worden sein, sagte ein Beamter der Zeitung. Die Operationen seien anscheinend beendet worden. Seine Tätigkeit werde vom Pentagon strafrechtlich untersucht.
Dass Furlong offensichtlich eine nicht den Regeln entsprechende Spionageoperation organisiert habe, sei beunruhigend, sagte US-Beamte nach Angaben der Zeitung. "Zwar ist keine legitimierte Geheimdienstarbeit zunichtegemacht worden. Aber es ist prinzipiell eine schlechte Idee, wenn angeheuerte Mitarbeiter in einem Kriegsgebiet herumlaufen und James Bond spielen", sagte der Beamte.
Offen sei auch, ob die Spionageaktivitäten auf eigene Faust tatsächlich zur Tötung von Extremisten führten. Pentagonbeamte berichteten, Furlong habe gegenüber höheren Offizieren mit einem Informantennetz angegeben. Bei seinen Operationen soll eine mysteriöse US-Firma eine Rolle gespielt haben, die von ehemaligen Mitgliedern einer militärischen Eliteeinheit betrieben worden sei. Auch soll Furlong einmal einen prominenten Ex-CIA-Mann angeheuert haben, der eine zentrale Rolle in der Iran-Contra-Affäre in den 80er Jahren spielte.
dpa
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