Politik
Die Israel Defense Forces (IDF) betreiben seit 2009 einen Twitter Account. Mittlerweile haben sie fast 300.000 Follower. Das Gegenstück der Hamas, der Account der Kassam-Brigaden verfügt über rund 12.000 Follower.
Die Israel Defense Forces (IDF) betreiben seit 2009 einen Twitter Account. Mittlerweile haben sie fast 300.000 Follower. Das Gegenstück der Hamas, der Account der Kassam-Brigaden verfügt über rund 12.000 Follower.

Hamas und Israel feuern auf Twitter: Im Netz gibt es keinen Waffenstillstand

Von Issio Ehrich

Israels Armee und der militärische Arm der Hamas liefern sich im Internet einen Propagandakrieg. Hauptschauplatz der Schlacht sind die englischsprachigen Twitter-Accounts der Organisationen. Bisher herrschte hier Waffengleichheit.

Israelis und Palästinenser messen nicht nur militärisch ihre Kräfte. Die Israelische Armee (IDF) und die Kassam-Brigaden, eine Unterorganisation des bewaffneten Arms der Hamas, liefern sich auch einen Krieg um die Deutungshoheit. Eine besondere Rolle spielen dabei die englischsprachigen Twitter-Accounts der Organisationen.

Die IDF nutzt die Möglichkeiten des Kurznachrichtendienstes voll aus, um militärische Erfolge zu präsentieren. Dass sie den Versuch von 13 Hamas-Kämpfern verhindert hat, Israel über einen "Terrortunnel" zu infiltrieren, meldet sie zunächst per "Breaking News" und illustriert den Coup später mit einem Videolink, einer Karte und einem Bild. Zu sehen sind die erbeuteten Waffen der "Terroristen" neben dem Tunneleingang. Dazu die Worte: "Wir haben sie neutralisiert."

In einem "Daily Recap" (Tagesrückblick) dokumentiert die IDF in Form bunter Schaubildern regelmäßig die Zahl der Raketen, die aus dem Gaza-Streifen abgeschossen wurden, und stellt gegenüber, wie viele das Raketenabwehrsystem "Iron Dome" abgefangen hat. Daneben stets die Zahl der "Terrorziele", die die israelische Armee im Gegenzug zerstört hat.

Besonderes Augenmerk legt die IDF darauf, ihr Bemühen zu präsentieren, die palästinensische Zivilbevölkerung zu schonen. Am Mittwoch veröffentlicht sie die Übersetzungen von Flugblättern, die Zivilisten vor Luftangriffen warnen sollen. "Für Ihre eigene Sicherheit, verlassen sie ihre Wohnung sofort…", heißt es darin. In weiteren Tweets erklärt sie anhand einer Checkliste, was die Armee alles tue, um Zivilisten zu schonen. Telefonanrufe und SMS vor Attacken - check. Missionsabbrüche, wenn sich Anwohner im Einsatzgebiet bewegen - check. Warnschüsse - check. Präzisionsangriffe - check.

Die Kassam-Brigaden halten dagegen. Sie bezeichnen die Flugblätter nicht als Warnung, sondern als Mittel, Angst zu schüren. "Hunderte Häuser im Osten Gazas bekommen Bombendrohungen", heißt es in einem Tweet. Während auf Seiten Israels von "neutralisierten Terroristen" die Rede ist, heißt es bei Kassam: "Märtyrer". Dazu gibt es Listen mit zivilen Einrichtungen, die die israelische Luftwaffe angeblich getroffen hat: Kindergärten, Krankenhäuser, Moscheen. Getreu dem Motto "von wegen Präzisionsangriffe", sind auch die Bilder von verwundeten Frauen und Kindern zu sehen.

IDF und Kassam betreiben parallel Blogs und Internetseiten, auf die sie verlinken, um detaillierter zu berichten. Anders als in der militärischen Auseinandersetzung, bei der die Palästinenser Israel wenig entgegenzusetzen haben, herrscht bei Twitter gewissermaßen Waffengleichheit. Oder besser gesagt herrschte: Der Account der Kassam-Brigaden ist seit dem frühen Vormittag nicht mehr zu erreichen. Ob er gelöscht, Ziel eines Hacker-Angriffs oder vom Kurznachrichtendienst gesperrt wurde, ist bisher nicht bekannt. Auf eine Anfrage von n-tv.de reagierte Twitter bisher nicht.

Doch, ob das Schweigen des englischen Kassam-Accounts wirklich zu Ruhe führt, ist wohl in etwa so wahrscheinlich, wie ein schnelles Ende des Palästina-Konflikts durch die jüngst vereinbarte Waffenruhe. Die Brigaden betreiben noch einen arabischen und einen hebräischen Kanal. Damit erreichen sie zwar nicht mehr die ganze Welt, Israel digital angreifen können sie aber weiterhin.

Besonders interessant ist der hebräische Account. Hier spricht die Hamas die Israelis in ihrer Sprache an. Und die Israelis antworten. Auch auf diesem Account findet sich die übliche Kriegspropaganda. Hervor sticht aber, dass sich angesichts des scheinbar ewigen Krieges immer häufiger schwarzer Humor breitmacht. Auf die Frage eines Israelis, warum seine Stadt Bnei Brak heute nicht Ziel von Angriffen sei, folgt die Antwort. "Wir haben Bnei Brak doch gestern erst beliefert." Ein Bewohner Tel Avivs wiederum bittet die Hamas, ihre Raketenangriffe doch besser zu timen. "Ich muss morgen um 8.30 Uhr aufstehen. Könntet Ihr den Raketenalarm bitte zu dieser Zeit auslösen. Das wäre sehr hilfreich."

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Quelle: n-tv.de

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