Politik

Aufarbeitung des Bengasi-Anschlags: Im State Departement rollen Köpfe

Der tödliche Terrorangriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi wirbelt weiter Staub auf. Jetzt gibt es knallharte Kritik am Außenministerium und personelle Konsequenzen. Medienberichten zufolge müssen vier Beamte gehen.

US-Konsulat in Bengasi nach dem Anschlag.
US-Konsulat in Bengasi nach dem Anschlag.(Foto: REUTERS)

Drei Monate nach dem Terrorangriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi gibt es im Washingtoner Außenministerium offenbar erste Konsequenzen. Vier Beamte des State Departments müssen Medienberichten zufolge den Hut nehmen.

Wie die "New York Times" unter Berufung auf eine Ministeriumssprecherin berichtete, reichte der Leiter der Abteilung "diplomatische Sicherheit", Eric Boswell, seinen Rücktritt ein. Die für die Sicherheit der Botschaften zuständige stellvertretende Abteilungsleiterin Charlene Lamb sowie ein weiterer, namentlich nicht genannter Sicherheitsexperte des Amtes seien von ihren Aufgaben entbunden worden. Gleiches gelte für Raymond Maxwell, der im State Department für Nordafrika zuständig gewesen sei. Alle vier seien bis auf weiteres beurlaubt worden.

Die personellen Konsequenzen folgten auf die Veröffentlichung des Berichts einer unabhängigen Kommission zu der Botschaftsattacke, in dem heftige Kritik am State Department geübt wird. Schwere Fehler in zwei Abteilungen der Behörde hätten zu "krassen" Sicherheitslücken in Bengasi geführt, heißt darin.

Zu wenig erfahrene Sicherheitsleute

Bei dem Angriff am 11. September waren US-Botschafter Christopher Stevens und drei weitere Diplomaten ums Leben gekommen. Der Vorfall wurde erst Tage später von der US-Regierung als gezielter Terrorangriff eingestuft. Zunächst hatte es geheißen, die Attacke habe sich aus spontanen Protesten gegen einen in den USA produzierten Schmähfilm über den Propheten Mohammed entwickelt.

In dem Untersuchungsbericht wird dem Ministerium im Einzelnen angelastet, es habe nicht genügend erfahrene Sicherheitsleute zur Verfügung gestellt. Stattdessen habe man sich auf örtliche Milizen zum Schutz des Konsulatsgeländes verlassen. Zudem habe das State Department Bitten der US-Botschaft in Tripolis nach mehr Schutz ignoriert.

"Die Kommission kam zu dem Ergebnis, dass die Sicherheitsvorkehrungen... nicht der Bedrohungslage in Bengasi entsprach und in der Tat krass unzureichend war, mit der Attacke...fertig zu werden", sagte der ehemalige Generalstabschef Mike Mullen, der dem Gremium angehörte.

Clinton sollte eigentlich am Donnerstag vor zwei Kongressausschüssen zu Bengasi aussagen. Doch sie hütet wegen einer Gehirnerschütterung diese Woche das Krankenbett und wird nach Ministeriumsangaben nun im Januar vor die Gremien treten - kurz bevor sie aus ihrem Amt ausscheidet.

Quelle: n-tv.de

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