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Belgische Anti-Terror-Fahnder bei einer Razzia in Molenbeek - kurz vor der Ergreifung eines Paris-Attentäters in der vergangenen Woche.
Belgische Anti-Terror-Fahnder bei einer Razzia in Molenbeek - kurz vor der Ergreifung eines Paris-Attentäters in der vergangenen Woche.(Foto: AP)

Chronologie des Terrors: Immer wieder Brüssel

Von Christian Rothenberg

Nach den Anschlägen in Frankreich führt die Spur nach Belgien. Erst in der vergangenen Woche fassen die Ermittler den letzten flüchtigen Paris-Attentäter. Jetzt ist die belgische Hauptstadt selbst zum Anschlagsziel geworden. Ein Rückblick.

Nach den Anschlägen in Frankreich führt die Spur nach Belgien. Erst in der vergangenen Woche fassen die Ermittler den letzten flüchtigen Paris-Attentäter. Jetzt ist die belgische Hauptstadt selbst zum Anschlagsziel geworden. Ein Rückblick.

14. November 2015: Keine 24 Stunden nach den Anschlägen in Paris nehmen belgische Anti-Terror-Ermittler in Brüssel einen Verdächtigen fest, der am Tag zuvor in der französischen Hauptstadt war. Es gibt einen Großeinsatz der Polizei im Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Schwer bewaffnete Sondereinheiten durchsuchen mehrere Wohnungen. Insgesamt werden sieben Personen festgenommen. Der Stadtteil war schon häufiger Schauplatz von Polizei-Razzien, etwa nach einem Anschlag auf einen Thalys-Hochgeschwindigkeitszug im August.

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15. November 2015: Inzwischen wissen die Ermittler: Zwei der getöteten Attentäter von Paris, Abdelhamid Abaaoud und Bilal Hadfi, lebten im Großraum Brüssel. Beide hatten marokkanische Wurzeln und einen französischen Pass. Hafdi hatte sich 2015 in Syrien der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen. In der Nähe der Pariser Konzerthalle Bataclan, die zum Ziel der Terroristen wurde, finden die Ermittler mehrere Mietwagen, die in Belgien angemeldet sind, und bitten deshalb die Brüsseler Kollegen um Amtshilfe. Die belgische Justiz schreibt derweil einen weiteren Terrorverdächtigen zur Fahndung aus.

19. November 2015: Die belgische Polizei durchsucht im Großraum Brüssel erneut mehrere Häuser. Die Durchsuchungen richten sich vor allem gegen Freunde und Familienangehörigen eines der in Belgien lebenden Selbstmordattentäter. Der belgische Premierminister Charles Michel kündigt derweil im Parlament an, dass aus dem Budget 2016 zusätzlich 400 Millionen Euro für die Sicherheit und den Kampf gegen den Terrorismus bereitgestellt werden.

21. November 2015: Die belgischen Behörden rufen die höchste Terrorwarnstufe für die Hauptstadtregion Brüssel aus. Den Bewohnern wird geraten, größere Menschenansammlungen wie etwa bei Konzerten oder anderen Veranstaltungen zu meiden. Alle Fußballspiele in und um Brüssel werden abgesagt. Die U-Bahn bleibt den gesamten Tag geschlossen, nur Busse und Straßenbahnen fahren. Auch Wahrzeichen der Stadt wie das Atomium werden vorübergehend geschlossen. Die Regierung fürchtet Anschläge wie in Paris. Im Rest des Landes gilt weiterhin die Stufe 3, was einer "möglichen und wahrscheinlichen" Bedrohung entspricht.

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23. November 2016: Die Situation in Brüssel bleibt angespannt. Den dritten Tag in Folge fahren keine U-Bahnen, auch die Schulen und Universitäten bleiben geschlossen. Mehrere Straßen in der Nähe des zentralen Platzes Grand Place werden abgesperrt. In Brüssel sollen sich zwei Terrorverdächtige aufhalten, darunter möglicherweise der gesuchte Salah Abdeslam. Er ist der Bruder von Brahim Abdeslam, einem der Pariser Selbstmordattentäter, und wohnte zuvor im Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Deshalb läuft erneut ein großangelegter Anti-Terror-Einsatz, 16 Personen werden festgenommen. Auf einer Straße im Stadtteil Molenbeek kommt es zu einem Schusswechsel. Die höchste Terrorwarnstufe wird verlängert.

25. November 2015: Die Lage in Brüssel normalisiert sich langsam. Schulen und U-Bahnen öffnen wieder. Die Regierung sichert den Betrieb mit 500 Sicherheitskräften. Schon am Vortag hatten einige Touristenattraktionen und Läden wieder geöffnet.

27. November 2015: Zwei Wochen nach den Anschlägen in Paris fassen die belgischen Ermittler einen weiteren Verdächtigen - es ist der sechste Verdächtige in Belgien, der in diesem Zusammenhang inhaftiert wird. Wie inzwischen bekannt ist, waren die Abeslam-Brüder der internationalen Polizeibehörde Interpol bekannt - inzwischen steht er auf der Liste der meistgesuchten Personen. Der gesuchte Terrorverdächtige Salah Abdeslam ist jedoch weiterhin flüchtig. Auch in den kommenden Tagen gibt es immer wieder Razzien. Die Terrorwarnstufe für Brüssel wird jedoch von vier auf drei heruntergestuft: Anschlag "möglich und wahrscheinlich", nicht mehr "ernstzunehmend und nahe bevorstehend".

16. Februar 2016: Belgische Anti-Terror-Fahnder nehmen bei Razzien in Brüssel zehn Verdächtige fest. Hintergrund sind Ermittlungen zu einem Netzwerk, dass möglicherweise Mitglieder für die Terrormiliz Islamischer Staat wirbt.

15. März 2016: Bei einer erneuten Razzia kommt es in Brüssel zu einer Schießerei. Ein Verdächtiger eröffnet das Feuer auf Polizisten, zwei Beamte werden leicht verletzt. Später meldet die Polizei den Tod eines Verdächtigen.

18. März 2016: Die belgischen Terror-Fahnder melden einen Erfolg. Im Stadtteil Molenbeek nehmen sie den gesuchten Salah Abdeslam fest, der die Vorbereitungen für die Anschläge in Paris unterstützt haben soll und bisher auf der Flucht war. Bei der Festnahme wird er verletzt. Abdeslam soll der Prozess gemacht werden - wegen Beteiligung an einem terroristischen Mord und an einer terroristischen Vereinigung. Die Anti-Terror-Ermittlungen werden fortgesetzt.

22. März 2016: Im Flughafen in Brüssel sowie in mehreren Metrostationen kommt es zu Explosionen. Es gibt Tote und Verletzte. Die höchste Warnstufe wird ausgerufen. Die belgischen Sicherheitsbehörden gehen von einem Terroranschlag aus.

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Quelle: n-tv.de

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