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Politik

Montag, 26. Oktober 2009

Risikogruppen haben Vorrang: Impfaktion ist angelaufen

In Deutschland ist die Impfaktion gegen die Schweinegrippe angelaufen - zunächst schwerpunktmäßig bei Beschäftigten aus dem Gesundheits- und Sicherheitsbereich wie Ärzten und Polizisten. Bis Mitte November bekommen nach und nach alle Bundesbürger die Möglichkeit zur Immunisierung, teilte die Gesundheitsministerkonferenz mit. Die Ständige Impfkommission (Stiko) rief die Bundesbürger erneut zur Impfung auf.

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(Foto: AP)

Nach ersten Impfungen von Ärzten, Krankenschwestern, Polizisten und Feuerwehrleuten könnten sich in der kommenden Woche auch chronisch Kranke impfen lassen, sagte Thomas Schulz, Sprecher des Thüringer Gesundheitsministeriums, das derzeit den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz der Länder inne hat. Voraussichtlich ab Mitte November werde sich jeder impfen lassen können.

Kritik von Anti-Korruptions-Organisation

Laut Transparency International sind bei der Massenimpfung auch Geschäftsinteressen im Spiel. "Wir beobachten, dass da massive Interessenkonflikte sind", sagte Angela Spelsberg, Epidemiologin und Vorstandsmitglied der Anti-Korruptions-Organisation, dem Sender Deutschlandradio Kultur. Fachleute, die über die Impfung entscheiden, hätten gleichzeitig weitreichende, auch finanzielle Kontakte zu den Herstellern der Impfstoffe. Das Robert Koch-Institut (RKI) wies den Vorwurf zurück. Das Institut in Berlin berät die Bundesregierung bei der Impfaktion.

Spelsberg sagte, es gebe keine wissenschaftlichen Belege für eine große Gefahr durch die Schweinegrippe. "Die Impfaktion geht gegen eine Grippe vor, die im Vergleich zur saisonalen Grippe bisher ganz mild verlaufen ist." Die Ärztin kritisierte, dass es im Gesundheitswesen immer weniger unabhängige Experten gebe. Bei der Schweinegrippe gelte für maßgebliche Fachleute, "dass sie zum Teil in die Impfstudien selber involviert sind und dass sie von den Herstellern der Impfstoffe finanzielle Unterstützung erhalten beziehungsweise Honorare bekommen".

RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher sagte: "Die Arbeit auf dem Gebiet des Impfens bringt natürlich auch Kontakte zu den Herstellern mit sich." Die Mitglieder der Ständigen Impfkommission beim RKI müssten jedoch vor ihrer Berufung und vor jeder Sitzung Auskunft über mögliche Interessenkonflikte geben. "Das wird auch überprüft. Insofern denken wir, dass da transparent informiert wird." Wer befangen sei, dürfe bei entsprechenden Tagesordnungspunkten nicht mit abstimmen.

Spezielle Impfsprechstunden

Während in einigen Bundesländern zunächst nur die Gesundheitsämter impfen, beteiligen sich in anderen Ländern bereits Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte an der Kampagne, meist in speziellen Impfsprechstunden. Angesichts des bislang milden Verlaufs sei die Bereitschaft zur Schweinegrippenimpfung noch gering, sagte Schulz. Er rechne aber damit, dass mit der Ausbreitung der Krankheit auch die Impfbereitschaft zunehmen werde und sich bis Winterende 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung immunisieren lassen. Die von den Ländern bestellten insgesamt 50 Millionen Dosen des Impfstoffes Pandemrix würden voraussichtlich ausreichen.

Hinsichtlich der besonders umstrittenen Impfung von Schwangeren empfiehlt die Stiko einen so genannten Spaltimpfstoff ohne Wirkverstärker. Da dieser in Deutschland aber noch nicht verfügbar ist, wird eine individuelle Nutzen-Risiko-Analyse empfohlen. Ob noch ein Impfstoff ohne die umstrittenen Wirkungsverstärker nachbestellt werden kann, ließ Schulz offen. Derzeit liefen Gespräche mit Herstellern im In- und Ausland.

"Erkrankungsfälle nehmen zu"

Die Stiko warnte davor, die Schweinegrippe zu unterschätzen. Es sei nicht abzusehen, wie stark sich die Krankheit entwickle, sagte Stiko-Mitglied Wolfgang Jilg dem Bayerischen Rundfunk. "Es scheint so zu sein, dass die Erkrankungsfälle zunehmen." Der Impfexperte verwies auf die Entwicklung in den USA, wo bereits der nationale Notstand ausgerufen worden sei.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sieht vor allem Gefahren für Kinder und jüngere Menschen. "Niemand weiß, wie gefährlich die Schweinegrippe verläuft, aber es sieht nicht so aus, als wenn sie harmlos wäre", sagte er bei n-tv. Die Schweinegrippe sei eine gefährliche Krankheit, an der bereits junge Menschen und Kinder gestorben seien. Nach Angaben des Robert Koch Instituts erkrankten seit April 25.285 Menschen in Deutschland an der Schweinegrippe. Drei von ihnen starben.

AFP/dpa

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