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Lech Walesa hat den politischen Wandel Polens hin zu einer demokratischen Markwirtschaft organisiert.
Lech Walesa hat den politischen Wandel Polens hin zu einer demokratischen Markwirtschaft organisiert.(Foto: REUTERS)

"Dies sind restlos Fälschungen": Institut veröffentlicht Walesa-Unterlagen

Der Solidarnosc-Anführer Lech Walesa ist polnisches Nationalheiligtum. Dass er für die Kommunisten gespitzelt hat, bestreitet er. Das polnische Institut für Aufarbeitung präsentiert jetzt eine Kooperationsverpflichtung als Gegenbeweis.

In Polen hat das Institut für Nationales Gedenken (IPN), das für die Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit des Landes zuständig ist, Unterlagen veröffentlicht, die die Spitzeltätigkeit des früheren Präsidenten Lech Walesa für den Geheimdienst beweisen sollen. Vor Journalisten wurden in Warschau unter anderem Kopien von Walesas angeblicher Kooperationsverpflichtung und von Empfangsquittungen für Honorarzahlungen präsentiert, ohne aber grafologische Gutachten zur Verifizierung seiner Handschrift vorzulegen. Walesa dementierte erneut jegliche Zusammenarbeit.

Diese Dokumente sollen die Spitzel-Tätigkeit von Lech Walesa belegen.
Diese Dokumente sollen die Spitzel-Tätigkeit von Lech Walesa belegen.(Foto: imago/Eastnews)

Am vergangenen Donnerstag hatte das IPN mitgeteilt, es sei "eine handschriftliche Zusage zur Zusammenarbeit" Walesas mit dem kommunistischen Geheimdienst SB entdeckt worden, unterschrieben mit "Lech Walesa" und dem Tarnnamen "Bolek". Diese wurde nun in Kopie präsentiert, ebenso mit "Bolek" unterzeichnete Quittungen sowie Aufzeichnungen zu angeblichen Berichten Walesas aus den Jahren 1970 bis 1976.

"Ich habe nichts mit denen zu tun gehabt"

In einer auf den 8. Juni 1976 datierten handschriftlichen Notiz eines SB-Mitarbeiters wurde "angesichts des arroganten Verhaltens" Walesas ein Ende der Zusammenarbeit empfohlen. In einem weiteren Vermerk, der mit dem Datum vom 9. Juni 1976 versehen ist und den Stempel eines ranghohen SB-Mitarbeiters trägt, heißt es, dass die Kooperation mit Walesa beendet worden sei.

Bilderserie

Am Donnerstag hatte Walesa die Anschuldigungen umgehend zurückgewiesen. "Es können keine von mir stammenden Dokumente vorliegen", erklärte der 72-jährige frühere Anführer der Gewerkschaft Solidarnosc. Am Freitag teilte er dann mit, er "habe einen Fehler gemacht - aber nicht, wie es gesagt wird".

Er habe "nicht mit dem SB zusammengearbeitet" sowie "weder Geld angenommen noch schriftlich oder mündlich Bericht erstattet", erklärte Walesa. Allerdings habe er sein "Wort gegeben", nicht über damalige Vorgänge zu sprechen. Diese Zusage werde er "derzeit sicher" nicht brechen.

Am Montag sagte Walesa, der sich derzeit in den USA aufhält: "Dies sind restlos Fälschungen, ich habe nichts mit denen zu tun gehabt." Der Historiker Salwomir Cienkiewicz, der in einem vom IPN im Jahr 2008 veröffentlichten Buch Spitzelvorwürfe gegen Walesa erhoben hatte, nannte die Dokumente "schockierend".

Nicht die ersten Spitzelvorwürfe

Unterstützung erhielt Walesa indes von früheren Mitstreitern. Zbigniew Janas, zur kommunistischen Zeit ein Dissident, sagte: "Wir vertrauen Lech nach allem, was er geleistet hat." In der 70er Jahren seien "wir Arbeiter allein" gewesen. "Wir werden Dich beschützen, Lech, Du bist nicht allein", sagte Janas.

Bereits früher war dem Friedensnobelpreisträger Walesa in zwei IPN-Büchern vorgeworfen worden, in den 70er Jahren Werftkollegen für den SB bespitzelt zu haben. Ein Sondergericht sprach ihn aber vor mehr als 15 Jahren von allen Vorwürfen frei. Die neuen Papiere wurden im Erbe des früheren Innenministers und Geheimdienstchefs Czeslaw Kiszczak gefunden.

Walesa zählt zu den herausragenden Persönlichkeiten Polens. Um die Bewertung seines Wirkens wird seit langem heftig gestritten. Erbitterter politischer Gegner Walesas in der aktuellen Politik des Landes ist Jaroslaw Kaczynski, Chef der regierenden rechtskonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit.

Quelle: n-tv.de

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