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Die Bildungschancen für junge Muslime sind in Deutschland schlechter als in den Vergleichsländern.
Die Bildungschancen für junge Muslime sind in Deutschland schlechter als in den Vergleichsländern.(Foto: picture alliance / Wolfram Kastl)
Donnerstag, 24. August 2017

Bertelsmann-Religionsmonitor: Integration von Muslimen macht Fortschritte

Wie ist es um das Zusammenleben von Muslimen und Nicht-Muslimen in Deutschland bestellt? Der Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung zeichnet ein hoffnungsvolles Bild - auch wenn es etwa im Bildungswesen noch erhebliche Probleme gibt.

Die Integration muslimischer Einwanderer und deren Nachkommen in Deutschland funktioniert im Vergleich gut und immer besser. Das ist das zentrale Ergebnis des Religionsmonitors der Bertelsmann Stiftung. Was Sprachkompetenz, Bildung, Teilhabe am Arbeitsleben und Kontakte mit Andersgläubigen angeht, sehen die Forscher Muslime in Deutschland "auf einem guten Weg, auch wenn die Integrationserfolge von Teilen der Gesellschaft zu wenig anerkannt werden", heißt es in der Studie.

Spätestens in der zweiten Generation seien die rund 4,7 Millionen in Deutschland lebenden Muslime "in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen". Besonders auf dem Arbeitsmarkt gelinge die Eingliederung. Defizite sehen die Forscher dagegen bei den Bildungschancen.

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Die zentralen Ergebnisse:

  • Sprachkompetenz: Rund drei Viertel der in Deutschland geborenen Muslime, also Einwanderer in zweiter oder dritter Generation, wachsen mit Deutsch als erster Sprache auf. Rund ein Fünftel der eingewanderten Muslime der ersten Generation bezeichnet Deutsch als erste Sprache. Den Vergleich mit Frankreich und Großbritannien, deren Landessprachen in muslimischen Herkunftsländern geläufiger sind, hält Deutschland nicht stand. Die Situation ist jedoch besser als in Österreich und der Schweiz.
     
  • Bildung: Im Vergleich zu vorherigen Generationen verbessert sich die Bildung junger Muslime in Deutschland. Dennoch verlassen in Deutschland noch immer 36 Prozent vor dem 17. Lebensjahr die Schule – also maximal mit der Mittleren Reife. Deutlich besser ist die Situation in Frankreich, hier liegt dieser Anteil bei nur rund 10 Prozent. Als Grund geben die Forscher ein in Deutschland früher sortierendes Bildungssystem an. Muslime mit bildungsferneren Elternhäusern lernen also weniger lange gemeinsam mit Kindern aus bildungsnäheren Haushalten.
     
  • Arbeitsmarkt: Bei der Integration muslimischer Einwanderer in den Arbeitsmarkt schneidet Deutschland im Vergleich am besten ab. Die Arbeitslosenquote unter Muslimen gleiche sich der der nichtmuslimischen Bevölkerung an. Dies sei auf überdurchschnittliche staatliche Anstrengungen bei der gezielten Qualifizierung der Einwanderer zurückzuführen. Muslime, die ihre Religion praktizieren, haben es in Deutschland beruflich schwerer als unreligiöse Muslime: Sie arbeiten seltener und verdienen im Schnitt weniger. Im Vergleich schneidet Deutschland hier schlechter ab als Großbritannien und Österreich.
     
  • Gesellschaftliche Integration: Der Religionsmonitor widerlegt die weitverbreitete Ansicht, Muslime blieben in ihren neuen Heimatländern weitgehend unter sich. 78 Prozent der Befragten in Deutschland haben häufig oder sehr häufig Freizeitkontakte zu Nichtmuslimen, in der Schweiz sind es gar 87 Prozent. Die Forscher haben Muslime auch nach ihrer Verbundenheit mit dem Aufnahmeland gefragt: 96 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime identifizieren sich in unterschiedlichem Maße mit ihrer neuen Heimat.
     
  • Anerkennung im Aufnahmeland: Allen Integrationserfolgen zum Trotz ist die Ablehnung von Muslimen in den fünf Ländern stark. In Deutschland geben 19 Prozent der Nicht-Muslime an, Muslime nicht als Nachbarn haben zu wollen. In Österreich sagt das gar mehr als jeder Vierte, am geringsten ist die Distanz in der Schweiz mit 17 Prozent Ablehnung.

Die Wissenschaftler der Bertelsmann Stiftung befragten für den Religionsmonitor Ende 2016 mehr als 10.000 Menschen, sowohl Muslime als auch Nicht-Muslime, in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Großbritannien und der Türkei. Nach 2007 und 2013 erscheint die Studie nun zum dritten Mal.

Quelle: n-tv.de

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