Dienstag, 18. März 2008
Trotz mehr Sicherheit: Iraker wollen raus
Die Zahl neuer Asylanträge in den Industriestaaten ist erstmals seit fünf Jahren wieder gestiegen. Einen maßgeblichen Anteil daran trägt die aktuelle Flüchtlingswelle aus dem Irak. Im vergangenen Jahr wurden in 43 Industrieländern insgesamt 338.000 neue Asylanträge gestellt. Das ist eine Zunahme von zehn Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Das geht aus der Asylstatistik des UN-Flüchtlingshilfswerks hervor.
Dabei hat sich allein die Zahl der antragstellenden Iraker im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, von 22.900 Anträgen auf 45.200. In Deutschland suchten im vergangenen Jahr 4171 Menschen aus dem Irak Asyl, nach 2065 im Jahr zuvor. Die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen aus dem Irak insgesamt bezifferte das Hilfswerk mit rund 4,5 Millionen. Etwa zwei Millionen Iraker leben in Nachbarstaaten der Region, vor allem in Syrien und Jordanien. Weitere 2,5 Millionen gelten als Binnenvertriebene in ihrem Heimatland.
Trotz verbesserter Sicherheitslage tragen sich noch einmal so viel Iraker (vier Millionen) mit dem Gedanken auszuwandern. Laut einer Umfrage, die gemeinsam von der ARD und vier britischen und amerikanischen TV-Sendern in Auftrag gegeben worden war, haben 18 Prozent der Iraker sogar schon konkrete Pläne für ein neues Leben im Ausland.
Sunniten unzufriedener
Die Sicherheit in ihrem Wohnbezirk beurteilen die meisten Iraker heute laut Studie wesentlich positiver als noch vor einem Jahr. Dies wertet allerdings die überwiegende Mehrheit als Verdienst der irakischen Sicherheitskräfte und der neuen lokalen Bürgerwehren, nicht als Erfolg der US-Truppen.
Die Umfrage zeigt auch, dass die Sunniten immer noch extrem unzufrieden mit der Nachkriegsordnung sind. Sie hatten es einst unter dem sunnitischen Präsidenten Saddam Hussein leichter in führende Positionen zu gelangen als Angehörige anderer ethnischer und religiöser Gruppen.
Während sich inzwischen 70 Prozent der Schiiten in ihren Vierteln sicher fühlen, so gilt das nur für halb so viele Sunniten. Auch lehnen 95 Prozent der Sunniten die Präsenz der ausländischen Truppen im Irak ab. Von den befragten Schiiten sagten dies nur 77 Prozent. Unter den Kurden lag die Ablehnung lediglich bei 21 Prozent.
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