Suche
hier klicken, um den Ort für die Startseite festzulegen
Berlin
17
MO 12° / 24°
DI 12° / 21°
Politik
  • Artikel versenden
  • Druckversion
Irans Präsident Ahmadinedschad lässt sich gerne bei der Besichtigung von Atomanlagen sehen.

Irans Präsident Ahmadinedschad lässt sich gerne bei der Besichtigung von Atomanlagen sehen.(Foto: REUTERS)

Mittwoch, 15. Februar 20122012-02-15 15:48:23

Allen Sanktionen zum Trotz: Iran prahlt mit neuen Anlagen

Die iranische Führung will sich von der internationalen Gemeinschaft nicht in die Knie zwingen lassen und macht der Welt deutlich, dass Sanktionen gegen ihr Land wirkungslos bleiben. Zu diesem Zweck werden medienwirksam neue Atomanlagen in Betrieb genommen und der EU klargemacht, dass man die Öllieferungen stoppen könnte, wenn man wollte.

Der Iran will der Welt klarmachen, dass Sanktionen gegen sein Land unwirksam bleiben. Dazu wurde mit großem Medienaufwand ein "Forschungsreaktor mit den ersten selbstproduzierten Brennstäben bestückt". An der Zeremonie in dem Reaktor in Teheran, die live vom iranischen Staatsfernsehen übertragen wurde, nahmen unter anderem Präsident Mahmud Ahmadinedschad und der Chef der iranischen Atomenergieorganisation, Fereidun Abbassi Dawani, teil.

Der Handel der EU mit Iran
  • Der Iran ist an den Öleinfuhren der Europäischen Union (EU) zwar spürbar, aber nicht entscheidend beteiligt. In den ersten drei Monaten 2011 importierten die 27 EU-Staaten insgesamt 896 Millionen Barrel Rohöl (1 Barrel: 159 Liter). Davon kamen nur 4,4 Prozent aus dem Iran.
  • Im gesamten Jahr 2010 lieferte der Iran von insgesamt rund 3,8 Milliarden Barrel etwa 5,7 Prozent. In einigen EU-Staaten ist der Anteil jedoch höher: Griechenland war zu 25 Prozent, Italien zu 13 und Spanien zu etwa 10 Prozent auf iranisches Öl angewiesen.
  • Viel mehr als Erdöl hatte der Iran Europa nicht zu bieten: 90 Prozent der iranischen Lieferungen im Wert von 14,3 Milliarden Euro waren Öl. Gleichzeitig exportierte die EU in den Iran Waren für 11,3 Milliarden Euro, vor allem Maschinen. Der Iran stand damit für die EU bei den Importen an 22. und bei den Exporten an 25. Stelle.

Zusammen mit weiteren Besuchern in weißen Schutzanzügen beobachteten sie, wie ein mit Metall ummantelter Brennstab, der dem Bericht zufolge im Iran produziert wurde, in das Reaktorbecken eingesetzt wurde. Anschließend zeigte der Sender Archivbilder von mehreren iranischen Atomwissenschaftlern, die in den vergangenen zwei Jahren bei Anschlägen getötet worden waren.

Auch Zentrifugen in Betrieb genommen

Zudem wurden in der Atomanlage in Natans Medienberichten zufolge neue Zentrifugen in Betrieb genommen. Dazu sei erste Einheit dieser Zentrifugen zur Urananreicherung aktiviert worden, sagte Abbassi Dawani. Sie seien "dreimal so leistungsfähig" wie die Zentrifugen der ersten Generation. Ihre Inbetriebnahme sei eine "starke und dokumentierte Antwort" auf die "Sabotage" der westlichen Länder. Wie die Nachrichtenagentur Fars berichtete, wurden die Zentrifugen im Iran hergestellt und in der Anlage in Natans installiert.

Der Westen wirft dem Iran vor, nach Atomwaffen zu streben, und verhängte seit dem Jahr 2007 immer striktere Strafmaßnahmen gegen das Land.

Drohung mit Öl-Lieferstopp

Als Reaktion auf das aktuelle Ölembargo der EU deutete Teheran an, dass es seinerseits den Erdöl-Export in sechs Länder der Europäischen Union einstellen könnte, dies aber aus "humanitären Gründen nicht tue". Der staatliche Internet-Nachrichtensender Press TV hatte bereits den Exportstopp an Spanien, Italien, Frankreich, Griechenland, Portugal und Niederlande vermeldet. Die Botschafter dieser Länder waren zuvor in das iranische Außenministerium in Teheran zitiert worden. Dort hatte ihnen der Leiter der Westeuropa-Abteilung, Hassan Tadschik, mitgeteilt, "dass der Iran seine Ölverkäufe an Europa unterbrechen könnte und andere Käufer gefunden hat". Tadschik habe aber versichert, dass der Iran die Exporte "vorerst" nicht stoppen werde - "aus humanitären Gründen und wegen der Kälte".

In der EU hängen Griechenland, Spanien und Italien am stärksten von Öl aus dem Iran ab - einen Engpass erwartet die EU aber nicht.

Quelle: n-tv.de