Montag, 15. August 2011
Nach mehr als 800 Jahren: Iran zensiert Klassiker
Die Lektüre von Klassikern kann immer wieder erhellend sein. Und bedenklich, wie nun das iranische Kulturministerium befindet. Nach mehr als 800 Jahren verbietet es Teile eines berühmten Liebesepos'.Irans Kulturministerium will nach mehr als acht Jahrhunderten ein berühmtes Liebesepos der persischen Literatur zensieren. Teile des Buchs "Chosrou und Schirin" sollen nach 831 Jahren verboten werden, berichtete die Nachrichtenagentur Mehr. Das Ministerium habe den zuständigen Verlag gebeten, Passagen zu streichen, sagte Fariba Nabati vom Verlag Peydayesh, der das Liebesepos seit Jahren herausbringt.
Frauen im Iran sollten besser verhüllt sein und nicht auf unkeusche Gedanken kommen.
(Foto: AP)
Das Liebesdrama um Chosrou und Schirin wurde 1177 von Nesami Gandschawi geschrieben und 1180 veröffentlicht. Seitdem zählt es zu den berühmtesten Epen der persischen Literatur.
Der Verlag wollte das Layout für die achte Auflage ändern und schickte es an das Ministerium, um die Genehmigung für die Publikation zu erhalten, berichtete Nabati. Sie sei schockiert gewesen, als das Ministerium ihr mitteilte, dass Passagen zensiert werden müssen. Darunter sollen auch Satzteile sein wie "irgendwo hingehen, wo wir alleine sein können" oder "Hände halten".
Schilderungen körperlicher Nähe verboten
Seit der Islamischen Revolution 1979 sind in der iranischen Literatur Schilderungen körperlicher Nähe von Mann und Frau verboten. Das Ministerium für Kultur und Islamische Führung in Iran ist verantwortlich für Genehmigungen von Büchern oder Filmen.
Nesami Gandschawi (1141-1209) zählt zu den bedeutendsten Dichtern der persischen Literatur. Er schrieb auch die Liebesgeschichte "Leila und Madschnun". Das Liebesdrama soll den Rockmusiker Eric Clapton zu seinem Welt-Hit "Layla" inspiriert haben.
dpa
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