Politik
Ajatollah Ali Chamenei gibt seine Stimme ab - er ist das Staatsoberhaupt des Iran.
Ajatollah Ali Chamenei gibt seine Stimme ab - er ist das Staatsoberhaupt des Iran.(Foto: REUTERS)

55 Millionen wählen Parlament: Irans Reformer hoffen auf Machtwechsel

Konservative und Hardliner stellen bisher die Mehrheit im iranischen Parlament. Doch nachdem sich bereits bei der Präsidentenwahl die Reformen durchsetzen konnten, hoffen sie nun auch auf einen Sieg. Aber es geht bei dieser Wahl noch um mehr.

Video

Im Iran hat die Parlamentswahl begonnen. Die Abstimmung gilt als erster politischer Stimmungstest nach dem Mitte Juli zwischen Teheran und dem Westen geschlossenen Atomabkommen. Dabei gibt es einen Dreikampf zwischen islamischen Konservativen, den Hardlinern und den Reformern um Präsident Hassan Ruhani. Das Parlament war in den vergangenen zwölf Jahren fest in der Hand einer Koalition von Konservativen und Hardlinern. bestimmt. Die Reformer um Präsident Hassan Ruhani hoffen nun, diese Dominanz beenden zu können. Für die 290 Parlamentssitze bewerben sich mehr als 4800 Kandidaten.

Zugleich startete auch die Wahl der 88 Sitze im Expertenrat, für die es mehr als 160 Bewerber gibt. Der Rat bestimmt sowohl über die Ernennung als auch Abwahl des obersten Führers der islamischen Republik. Er war in den vergangenen Jahren ebenfalls von Hardliner-Klerikern dominiert.

Nach Öffnung der Wahllokale zeichnete sich nach Medienangaben eine hohe Beteiligung ab. Augenzeugen berichteten von Schlangen vor vielen Wahllokalen in Teheran. Präsident Hassan Ruhani zeigte sich nach der Stimmabgabe im Innenministerium zufrieden mit dem bisherigen Ablauf. Der Spitzenkandidat der Reformer, Mohammed-Resa Aref, sagte: "Wir könnten heute die 70-Prozent-Marke knacken".

Wirtschaftlicher Aufschwung erwartet

Wahlberechtigt sind fast 55 Millionen Bürger landesweit, darunter 8,5 Millionen in der Hauptstadt Teheran. Die 30 Sitze der Hauptstadt gelten als besonders wichtig, weil die politische Elite der politischen Lager in der sogenannten Teheran-Liste vertreten ist. Die Wahllokale sind bis 18 Uhr Ortszeit (15:30 Uhr MEZ) geöffnet, die Abstimmung könnte aber auch um einige Stunden verlängert werden. Das Innenministerium rechnet für Samstag mit ersten belastbaren Ergebnissen.

Der Iran hat hinter Saudi-Arabien die zweitstärkste Volkswirtschaft im Mittleren Osten. Doch die wegen seines Atomprogramms verhängten internationalen Sanktionen haben die Wirtschaft der Islamischen Republik hart getroffen - vor allem das 2012 von der EU verhängte Öl-Embargo.

Nach dem im Juli 2015 mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland getroffenen Atomabkommen hoffen die Iraner auf einen wirtschaftlichen Aufschwung. Das Land kann Öl und Gas nun wieder uneingeschränkt exportieren, Europa erwartet eine Verdoppelung des Handelsvolumens. Mit gut 1,6 Millionen Quadratkilometern ist das Land am Persischen Golf fast fünfmal so groß wie Deutschland. 78 Millionen Einwohner machen es zu einem der bevölkerungsreichsten Länder der Region. Der Iran hat die zweitgrößten Gasvorkommen weltweit.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen