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Die Verhandlungen finden im UN-Hauptquartier in Genf statt - unter großem medialen Interesse.
Die Verhandlungen finden im UN-Hauptquartier in Genf statt - unter großem medialen Interesse.(Foto: AP)

"Ich bin auf dem Weg": Islamist reist zu Syrien-Gesprächen

Vertreter des Regimes und der Opposition sind bereits in Genf. Nun kündigt sich eine weitere Gruppe an: Ein Führungsmitglied der Islamistengruppe Dschaisch al-Islam will als "Chefunterhändler" dabei sein. Moskau dürfte das nicht freuen.

Das Führungsmitglied der Islamistengruppe Dschaisch al-Islam, Mohammed Allusch, wird nach eigenen Angaben als Chefunterhändler der Opposition bei den Friedensgesprächen in Genf anwesend sein. "Ich bin auf dem Weg. Ich werde der Chefunterhändler sein", sagte Allusch der Nachrichtenagentur AFP.

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Die mit dem syrischen Staatschef Baschar al-Assad verbündete russische Regierung hatte im Vorfeld der Gespräche eine Teilnahme von "Terroristen" auf Seiten der Opposition abgelehnt. Moskau machte dabei unter anderem geltend, dass es sich bei Allusch um den Vertreter der salafistischen Gruppe Dschaisch al-Islam (Brigaden der Armee des Islam) handelt.

Allusch gehört dem Politbüro der bewaffneten Salafisten-Gruppierung an, die sowohl Assads Regierung als auch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat ablehnt und laut Berichten massiv von Saudi-Arabien unterstützt wird. Er ist ein Cousin von Sahran Allusch, des im Dezember bei einem Angriff der syrischen Luftwaffe getöteten Chefs von Dschaisch al-Islam.

Die Delegation des Hohen Verhandlungskomiteen (HNC) der Opposition, die erst verspätet zu den Gesprächen nach Genf gereist war, traf derweil bereits inoffiziell mit dem UN-Vermittler Staffan de Mistura zusammen. Am Montag sollte de Mistura zunächst am Vormittag mit der syrischen Regierungsdelegation und am späteren Nachmittag erstmals offiziell mit HNC-Vertretern zusammenkommen.

USA: "Gelegenheit nutzen"

Derweil forderten die USA die Vertreter von Regierung und Opposition auf, die sich bietenden Chancen nicht zu verspielen. In den diplomatischen Bemühungen um eine Lösung des Syrien-Konflikts, der mit Hunderttausenden Toten eine der schwersten humanitären Krisen seit dem Zweiten Weltkrieg sei, beginne eine entscheidende Phase, sagte Außenminister John Kerry in einer Videobotschaft. "Ich appelliere an beide Seiten, (...) die Gelegenheit zu ernsthaften Verhandlungen zu nutzen, mit gutem Willen zu verhandeln". Am Ende könne es keine militärische Lösung dieses Konflikts geben, so Kerry weiter.

Saudi-Arabien wird nach den Worten von Außenminister Adel al-Dschubeir die syrische Opposition unterstützen - egal, ob sie weiter an den Friedensverhandlungen teilnimmt oder sie verlässt. Die Verhandlungen sollten sich auf einen Machtwechsel konzentrieren, auf eine neue Verfassung, auf Wahlen und eine Zukunft ohne Syriens Präsident Baschar al-Assad, sagte der Minister auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu.

Quelle: n-tv.de

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