Politik

Umstrittenes Projekt in Ost-Jerusalem: Israel ermöglicht Wohnungsbau

Seit Wochen nehmen die Spannungen zwischen Israel und den Palästinensern wieder zu. Inmitten der verschärften Lage macht der Abriss des berühmten Shepherd-Hotels den Weg für neue Wohnungen in Ost-Jerusalem frei. Proteste begleiten das Projekt. Derweil will Hamas angeblich den Beschuss Israels beenden.

Die Abrissarbeiten am Shepherd-Hotel.
Die Abrissarbeiten am Shepherd-Hotel.

Ungeachtet internationaler Proteste treibt Israel ein umstrittenes Bauprojekt im arabischen Ostteil Jerusalems weiter voran. Bulldozer begannen mit der Zerstörung von Teilen des Shepherd-Hotels im Scheich-Dscharach-Viertel, wie israelische Medien berichteten. In dem Gebiet soll ein Gebäudekomplex mit etwa 20 Wohneinheiten für jüdische Siedler entstehen. Die USA hatten Israel dazu aufgefordert, die Bauaktivitäten zu stoppen. Israel hatte dies jedoch mit der Begründung zurückgewiesen, es handele sich um ein privates Bauprojekt. Die Abrissarbeiten wurden von Protesten begleitet. Ein arabischer Einwohner des Stadtteils Scheich Dscharrah wurde nach einem Handgemenge mit einem Siedler festgenommen.

Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat verurteilte das Vorhaben als "Teil eines politischen Programms der israelischen Regierung, deren Ziel es ist, jegliche Lösung in Jerusalem zu verhindern". Erekat rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, eine klare Position gegen die israelischen Siedlungsaktivitäten in Ost-Jerusalem einzunehmen. "Der Staat Israel zerstört ein palästinensisches Gebäude nach dem anderen, um Jerusalem von seinen palästinensischen Einwohnern, ihrem Erbe und ihrer Geschichte zu säubern", beschwerte sich der Chefunterhändler.

Teil des Hauses unter Denkmalschutz

Israelische Demonstranten protestieren gegen die Siedlungspolitik ihres Landes.
Israelische Demonstranten protestieren gegen die Siedlungspolitik ihres Landes.

Das Gebäude gehörte während der britischen Mandatszeit in Palästina dem damaligen Mufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini. Der Mufti gilt wegen seiner Kollaboration mit den Nationalsozialisten als umstrittene historische Figur. Nachdem er 1937 ins Exil ging, fiel der Besitz an die Briten. Nach 1949 wurde das Gebäude während der jordanischen Herrschaft in Ost-Jerusalem als Hotel benutzt. Im Zuge des Sechstagekriegs von 1967 ging das Hotel an Israel.

Der jüdische US-Millionär Irwin Moskowitz kaufte das leerstehende Gebäude schon im Jahre 1985. Später diente es als Hauptquartier der israelischen Grenzpolizei. 2009 erhielt Moskowitz eine Genehmigung von der Stadtverwaltung, auf der Anlage Wohnungen zu errichten. Ein historischer Teil des Gebäudes, der von dem Mufti gebaut worden war, soll nach israelischen Angaben nicht zerstört werden, weil er unter Denkmalschutz steht. Die Demolierung betreffe nur später angebaute Gebäudeteile, hieß es.

Die Palästinenserführung hatte die USA um dringende Intervention gebeten, um die Baupläne zu stoppen. Die Palästinenser wollen im 1967 von Israel eroberten Ostteil Jerusalem die Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates errichten. Israel beansprucht jedoch ganz Jerusalem als unteilbare Hauptstadt. Zuletzt hatte es wieder verstärkt gewaltsame Zusammenstöße zwischen der israelischen Armee und militanten Palästinensern gegeben.

Hamas will Großangriff verhindern

Nach eigenen Angaben ist die im Gazastreifen herrschende Hamas um ein Ende der Raketen- und Granatwerferangriffe auf Israel bemüht. Man stehe deshalb im Gespräch mit anderen Gruppierungen in dem Palästinenser-Gebiet, erklärte die radikal-islamische Bewegung. Damit will die Hamas anscheinend eine großangelegte israelische Vergeltungsaktion wie vor zwei Jahren vermeiden. Damals waren 1400 Palästinenser und 13 Israelis getötet worden.

In den vergangenen Wochen haben militante Palästinenser-Gruppen die Angriffe auf israelisches Gebiet intensiviert. Die Israelis töteten bei Vergeltungsschlägen im Dezember 13 Personen, in der Mehrheit muslimische Kämpfer.

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Quelle: n-tv.de

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