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Tunnel werden weiter angegriffen: Israel und Hamas vereinbaren Feuerpause

Für zwölf Stunden sollen im Gazastreifen und in Israel die Waffen ruhen. Den Menschen, die erstmals seit Tagen in ihre Häuser zurückkehren, bietet sich ein Bild der Zerstörung. In Paris sollen derweil die Weichen für eine längere Waffenruhe gestellt werden.

Im Gaza-Krieg ist um 8.00 Uhr (7.00 MESZ) eine zwölfstündige Feuerpause in Kraft getreten. Israel und die militante Hamas hatten sich am Vortag darauf geeinigt. Die israelische Armee setzt in dieser Zeit nach eigenen Angaben allerdings das Lokalisieren und Zerstören von Tunneln der Hamas im Gazastreifen fort.

Sollten palästinensische Militante die Feuerpause nutzen, um israelische Soldaten anzugreifen oder auf israelische Zivilisten zu schießen, werde die Armee dies beantworten, hieß es weiter. Im Gazastreifen lebende Zivilisten, die das Militär aufgefordert habe, ihre Häuser angesichts bevorstehender Angriffe zu verlassen, sollten es "unterlassen zurückzukehren".

Die radikal-islamische Hamas hatte die vom israelischen Militär bekannt gegebene Feuerpause bestätigt. Zunächst war unklar, ob sie eingehalten wird. Viele Palästinenser nutzten die Waffenruhe, um vorübergehend in ihre Häuser zurückzukehren. Nach den seit fast drei Wochen anhaltenden Luftangriffen der israelischen Armee bot sich ihnen vielerorts ein Bild der Zerstörung. Die Zivilbevölkerung sollte sich in den zwölf Stunden zudem mit Lebensmitteln und Wasser versorgen. Krankenhäuser sollten ihre Vorräte an Medikamenten aufstocken und internationale Hilfsorganisationen humanitäre Hilfe leisten können.

Israel gegen mehrtätige Waffenruhe

Auch diese Frau nutzt die Feuerpause, um ihr Haus in Gaza Stadt zu sehen - es ist völlig zerstört.
Auch diese Frau nutzt die Feuerpause, um ihr Haus in Gaza Stadt zu sehen - es ist völlig zerstört.(Foto: REUTERS)

Die Waffenpause wurde von US-Außenminister John Kerry und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon unterstützt. Eine mehrtägige Waffenruhe hatte das israelische Sicherheitskabinett zuvor "einstimmig abgelehnt", berichtete der israelische Fernsehender Channel 1 TV. Verteidigungsminister Mosche Jaalon hatte seine Soldaten sogar aufgefordert, sich für eine "bedeutende Ausweitung der Bodenoffensive" im Gazastreifen bereitzuhalten.

Kurz vor Beginn der Feuerpause wurden nach palästinensischen Angaben 20 Menschen in Chan Junis durch israelischen Panzerbeschuss getötet, darunter elf Kinder. Die Opfer seien Mitglieder einer Familie, die in ihrem Haus im Süden des Gazastreifens eingeschlossen gewesen seien, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Gaza. In anderen Städten wurden nach Angaben der Rettungskräfte 35 weitere Leichen unter den Trümmern mehrerer Häuser entdeckt.

Das Bild zeigt einen israelischen Angriff im nördlichen Gazastreifen vor Beginn der Feuerpause.
Das Bild zeigt einen israelischen Angriff im nördlichen Gazastreifen vor Beginn der Feuerpause.(Foto: REUTERS)

Bei den anhaltenden Protesten gegen die Militäroffensive erschossen derweil israelische Soldaten im Westjordanland zwei palästinensische Jugendliche. Am Freitag hatten Soldaten und jüdische Siedler im israelisch besetzten Westjordanland fünf Palästinenser erschossen, die sich an Protesten gegen Israels Militäreinsatz beteiligten. Anlässlich des letzten Freitags im muslimischen Fastenmonat Ramadan hatten die großen Palästinenserbewegungen zu einem "Tag des Zorns" aufgerufen, um gegen die Offensive im Gazastreifen zu protestieren.

Außenminister-Treffen in Paris

Die Zahl der getöteten Palästinenser seit dem Beginn der israelischen Militäroffensive am 8. Juli stieg damit auf 926. Zudem wurden 37 israelische Soldaten sowie drei Zivilisten auf israelischem Gebiet getötet.

Unterdessen traf Kerry zu internationalen Beratungen über den Gaza-Krieg in Paris ein. Aus Diplomatenkreisen verlautete, der französische Außenminister Laurent Fabius werde neben Kerry und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier auch seine Kollegen aus Großbritannien, Italien, Katar und der Türkei sowie die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton empfangen.

Es gehe darum, die derzeit kursierenden internationalen Vorschläge für eine Waffenruhe, allen voran die ägyptische Initiative, zusammenzuführen, um "möglichst schnell" die Bedingungen für eine Waffenruhe im Gazastreifen auszuarbeiten, hieß es.

Lufthansa, Air Berlin und die französische Air France bieten inzwischen wieder Flüge nach Tel Aviv an. Viele Fluggesellschaften hatten den Ben-Gurion-Airport wegen Raketengefahr im israelisch-palästinensischen Konflikt mehrere Tage lang nicht angeflogen.

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Quelle: n-tv.de

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