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In Gaza Stadt versuchen Palästinenser ein Auto zu löschen, das bei einem israelischen Angriff zerstört wurde.
In Gaza Stadt versuchen Palästinenser ein Auto zu löschen, das bei einem israelischen Angriff zerstört wurde.(Foto: AP)

Außenminister treffen sich in Paris: Israel und Hamas vereinbaren Waffenruhe

Überraschend einigen sich Israel und die palästinensische Hamas auf eine Feuerpause. Für zwölf Stunden sollen die Waffen ruhen. In Paris beraten derweil mehrere Außenminister, wie es danach weitergehen kann.

Die Kriegsparteien im Gaza-Konflikt haben sich auf eine Waffenruhe geeinigt. Vertreter der israelischen Regierung und der radikalen Palästinenserpartei Hamas gaben bekannt, dass sie sich auf eine zwölfstündige Feuerpause geeinigt hätten. Die Waffenruhe sollte am Samstag um 8 Uhr israelischer Zeit (7 Uhr deutscher Zeit) beginnen.

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Der Schritt kommt überraschend. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ließ zuvor keine Bereitschaft erkennen, die Angriffe einzustellen. Rechtsorientierte Minister forderten eine Fortsetzung und sogar Verstärkung der Angriffe im Gazastreifen. Der israelische Rundfunk berichtete, die Armee sei angewiesen worden, sich auf eine "echte Ausweitung" der Offensive in der kommenden Woche vorzubereiten, sollte die Hamas die vorgeschlagene Feuerpause ablehnen. Eine mehrtägige Waffenruhe hatte Israel abgelehnt.

Die Hamas hatte zunächst nicht auf den Vorschlag reagiert, den der US-Außenminister John Kerry ausgearbeitet hatte und für den sich auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eingesetzt hatte. Die Feuerpause solle erst einmal zwölf Stunden dauern und dann ausgeweitet werden, sagte Ban.

Die Zivilbevölkerung soll sich mit Lebensmitteln und Wasser versorgen können. Die Krankenhäuser sollen ihre Medikamentenvorräte aufstocken und die Internationalen Hilfsorganisationen sollen humanitäre Hilfe leisten können.

Gaza-Konferenz in Paris

Kerry hatte angekündigt zu weiteren Beratungen nach Paris zu reisen, wo nach französischen Angaben eine internationale Außenminister-Konferenz über den Gaza-Konflikt beraten will.

Wie aus Diplomatenkreisen in der französischen Hauptstadt verlautet, wird Frankreichs Außenminister Laurent Fabius neben Kerry und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier auch seine Kollegen aus Großbritannien, Italien, Katar und der Türkei sowie die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton zu Beratungen empfangen.

Es gehe darum, die derzeit kursierenden internationalen Vorschläge für eine Waffenruhe, allen voran die ägyptische Initiative, zusammenzuführen, um "möglichst schnell" die Bedingungen für eine Feuerpause im Gazastreifen auszuarbeiten, hieß es.

900 Tote

Militante Palästinenser feuerten am Freitag erneut Raketen auf den Großraum Tel Aviv ab. In der Küstenstadt Aschkelon wurde ein Haus direkt getroffen. Die israelische Luftwaffe zerstörte nach palästinensischen Angaben das Haus des Hamas-Führers Salah Bardawil in Chan Junis im Süden des Gazastreifens. Dabei habe es keine Verletzten gegeben. Bei einem anderen Angriff im Süden des Palästinensergebiets sei ein örtlicher Führer des radikalen Islamischen Dschihad getötet worden. Der 45-jährige Salah Abu Hasanin und sein 15-jähriger Sohn seien bei dem Luftangriff in Rafah ums Leben gekommen.

Bei gewaltsamen Protesten tausender Palästinenser im Westjordanland wurden nach Angaben von Rettungskräften am Donnerstagabend und Freitag sechs Menschen getötet und Dutzende verletzt. Drei der Opfer kamen durch Schüsse des israelischen Militärs ums Leben. Zwei weitere, einen 22-Jährigen und einen 17-Jährigen, erschoss ein jüdischer Siedler in der Nähe von Nablus.

Die Zahl der getöteten Palästinenser stieg auf 865. Das teilte das Gesundheitsministerium in Gaza mit. Unter den Getöteten seien 208 Kinder und 82 Frauen. Mehr als 5700 Menschen wurden den Angaben zufolge in den vergangenen zweieinhalb Wochen verletzt, darunter 1779 Kinder und 1112 Frauen. Auf israelischer Seite erhöhte sich die Zahl der getöteten Soldaten auf 35, wie die Armee mitteilte. Auch drei Zivilisten starben.

Airlines fliegen wieder

Obwohl Palästinenser weiterhin Raketen Richtung Großraum Tel Aviv und Flughafen Ben Gurion schießen hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA ihr Flugverbot am Donnerstag wieder aufgehoben. Auch der britische Billigflieger Easyjet, die italienische Alitalia und die französische Air France kündigten die Wiederaufnahme des Flugbetriebs nach Israel an. Die Lufthansa und Air Berlin wollen ab Samstag ebenfalls wieder Flüge nach Tel Aviv aufnehmen. Sie hatten den Flughafen Ben Gurion wegen der anhaltenden Raketengefahr seit Dienstag nicht mehr angeflogen.

Quelle: n-tv.de

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