Politik

Hamas-Militärchef anvisiert: Israel verteidigt gezielten Tötungsversuch

Die nahe geglaubte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen ist vorerst Geschichte, der Krieg geht weiter. Bei einem Attentat kommen die Frau und ein Kleinkind des Hamas-Militärchefs ums Leben. Das Schicksal von Mohammed Deif ist unklar.

Israel hat bestätigt, den Militärchef der im Gazastreifen herrschenden Hamas gezielt angegriffen zu haben. Das berichtete das Zweite Israelische Fernsehen unter Berufung auf einen Regierungsvertreter in Jerusalem. Nach Angaben der Hamas kamen am Dienstagabend die Ehefrau und ein Kind von Mohammed Deif bei einem Luftangriff auf ein Haus in Gaza ums Leben. Zunächst hatte es geheißen, bei dem zweijährigen Kind handele es sich um ein Mädchen, später war von einem Jungen die Rede.

Die Qassam-Brigaden, der militärische Arm der Hamas, verstecken sich in den verbliebenen Tunneln des Gazastreifens. Ihr Kommandeur ist Mohammed Deif.
Die Qassam-Brigaden, der militärische Arm der Hamas, verstecken sich in den verbliebenen Tunneln des Gazastreifens. Ihr Kommandeur ist Mohammed Deif.(Foto: REUTERS)

Israelische Medien berichten, die Identität eines dritten Toten bei dem Angriff sei noch unklar. Auf sozialen Netzwerken gab es das Gerücht, es könne sich um Deif selbst handeln, dann wieder hieß es, es sei die Leiche eines 20-Jährigen.

Die israelische Regierung hat den Angriff verteidigt. Deif sei "ein legitimes Ziel", sagte Innenminister Gideon Saar im Armeeradio. Wie der frühere Chef des Terrornetzwerks Al-Kaida Osama bin Laden habe er "den Tod verdient". Wenn sich die Gelegenheit biete, Deif zu töten, dann müsse sie genutzt werden. Ob Deif bei dem Angriff auch getötet worden sei, wisse er nicht, sagte Saar.

Mohammed Deif gilt in Gaza als einer der wichtigsten Drahtzieher, er hat schon mehrere Attentate durch Israel überlebt. Israel wirft ihm vor, er dirigiere den Gaza-Krieg aus dem Untergrund. Mussa Abu Marsuk, Leiter der Delegation der radikal-islamischen Organisation bei den Waffenruhe-Verhandlungen in Kairo, bestätigte den Tod der Angehörigen von Deif.

Großfamilie in Gaza umgekommen

Eine Feuerpause zwischen Israel und den militanten Palästinensern war am Dienstag zusammengebrochen. Beide Seiten machen sich gegenseitig dafür verantwortlich. Die Regierung in Jerusalem zog aus Protest gegen neue Raketenangriffe ihre Verhandlungsdelegation aus Kairo ab. Dort sollte sechs Wochen nach Beginn des Gaza-Kriegs eine dauerhafte Waffenruhe ausgehandelt werden.

Bei einem israelischen Angriff auf ein Gebäude in Deir al-Balach im Gazastreifen sind am Morgen nach palästinensischen Angaben acht Mitglieder einer Familie getötet worden. Die palästinensische Nachrichtenagentur Maan berichtet, unter den Toten seien die Eltern sowie mehrere Kinder. Auch in Israel schlugen mehr als 60 Raketen aus dem Gazastreifen ein, teilte die Armeesprecherin mit. Israels Militär habe rund 60 Ziele im Gazastreifen angegriffen.

Quelle: n-tv.de

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