Politik

Massaker von PalmnickenJantarnyj gedenkt Gräuel-Tat

31.01.2010, 14:19 Uhr

Bis heute ist das Massaker von Palmnicken ungesühnt. SS-Männer trieben dort vor 65 Jahren 3000 Juden an den Strand und erschossen sie. Was bleibt, ist das Erinnern.

palmnicken
Der Gedenkstein für die Opfer des Massakers von Palmnicken. (Foto: Hans-Christian Kords/Wikipedia)

Es gilt als das letzte große SS-Massaker an Juden zum Ende des Zweiten Weltkriegs: 65 Jahre nach dem Mord an 3000 KZ-Häftlingen im damaligen Palmnicken haben an der verschneiten Ostseeküste in der Nähe von Kaliningrad, dem früheren Königsberg, Deutsche und Russen des Verbrechens gedacht. Es sei Teil der moralischen Verpflichtung Deutschlands, diese Gräuel nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, sagte der deutsche Generalkonsul Aristide Fenster. Etwa 100 Menschen legten in Jantarnyj, dem früheren Palmnicken, Blumen nieder und zündeten Kerzen an. An das Blutbad vom 31. Januar 1945 wird offiziell erst seit zehn Jahren erinnert.

Am Strand der damaligen ostpreußischen Siedlung Palmnicken erschoss ein SS-Todeskommando die KZ-Häftlinge, meist junge jüdische Frauen aus Polen und Ungarn. Die wiedergegründete jüdische Gemeinde im einstigen Königsberg erinnert seit Ende der 1990er Jahre an das Massaker, das bis heute ungesühnt sei. Ein ehemaliger Einwohner Palmnickens hatte das Schweigen über die Blutbad gebrochen und mit einem Buch auch in Kaliningrad großes Aufsehen erregt. Insgesamt hatten nur 21 Menschen das Massaker überlebt.

Jantarnyj ist seit jeher berühmt für seinen Reichtum an Bernstein, der hier einzigartig im Tagebau gefördert wird. Die jüdische Gemeinde beklagt, dass die Behörden die Erinnerungsarbeit behinderten, weil sie Jantarnyj zu einem attraktiven Ostsee-Kurort machen wollen.

Quelle: dpa