Politik
Das AKW Sendai im Südwesten Japans.
Das AKW Sendai im Südwesten Japans.(Foto: picture alliance / dpa)

Rückkehr zur Kernkraft: Japan fährt Atomreaktor wieder hoch

Seit zwei Jahren sind alle Atomreaktoren in Japan stillgelegt. Nach der Atomkatastrophe von 2011 lehnt ein Großteil der Bevölkerung die nukleare Energiegewinnung ab. Nicht so Ministerpräsident Abe: Er will die Reaktoren wieder anschalten. Und er setzt sich durch.

Gegen breiten Widerstand in der Bevölkerung nimmt Japan gut vier Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima erstmals wieder einen Kernreaktor in Betrieb. Der Betreiberkonzern Kyushu Electric Power kündigte an, den ersten Block des Atomkraftwerks Sendai in der südwestlichen Provinz Kagoshima an diesem Dienstag wieder anzuschalten.

Bis zuletzt hatten Bürger vor Gericht versucht, das Wiederanfahren zu stoppen. Als Konsequenz der Atomkatastrophe in Fukushima vom 11. März 2011 stehen seit rund zwei Jahren alle 48 kommerziellen Reaktoren in Japan still. Das Wiederanfahren des Sendai-Reaktors ist ein Erfolg für Ministerpräsident Shinzo Abe, der zur Atomkraft zurückkehren will.

Die Betreiberkonzerne decken den Strombedarf als Ersatz für die Atomreaktoren derzeit mit Wärmekraftwerken, wofür die rohstoffarme drittgrößte Volkswirtschaft der Welt teures Öl und Gas importieren muss. Vor dem Gau in Fukushima deckte Japan rund ein Drittel seines Strombedarfs mit Atomenergie ab. Vor diesem Hintergrund will die Regierung trotz Widerstands in der Bevölkerung zur Atomkraft zurück.

Demonstrationen vor AKW

In Umfragen spricht sich eine Mehrheit der Bürger Japans immer wieder gegen eine Rückkehr zur Atomkraft aus. Das Atomkraftwerk in Sendai war das erste AKW, das im vergangenen September die nach Fukushima eingeführten neuen Sicherheitsauflagen erfüllte. Die Regierung spricht von den "strengsten Sicherheitsvorschriften der Welt". Alle Atomkraftwerke müssen diese Auflagen erfüllen, bevor sie wieder angefahren werden dürfen. "Das Wiederanfahren von Atomreaktoren, deren Sicherheit bestätigt wurde, ist für unsere Energiepolitik wichtig", sagte Regierungssprecher Yoshihide Suga.

Etwa 200 Atomkraftgegner demonstrierten vor dem AKW in Sendai. Unter ihnen befand sich auch Ex-Regierungschef Naoto Kan, der zum Zeitpunkt des Gaus in Fukushima regierte und noch während seiner Amtszeit von einem Atombefürworter zu einem entschiedenen Kernkraftgegner wurde. Wegen der Katastrophe in Fukushima verloren 160.000 Menschen ihre Heimat.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen