Politik
Die Luft wird immer dünner für François Fillon.
Die Luft wird immer dünner für François Fillon.(Foto: dpa)
Dienstag, 14. März 2017

Verdacht der Veruntreuung: Justiz eröffnet Verfahren gegen Fillon

Hat Frankreichs Präsidentschaftskandidat Fillon öffentliche Gelder hinterzogen? Den Ermittlern reichen die bisherigen Belege offenbar aus, um nun ein Verfahren zu beginnen. Für den Politiker ist das aber kein Grund, seine Ambitionen aufzugeben.

Die französische Justiz hat gegen den Präsidentschaftskandidaten François Fillon ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Das sagte sein Anwalt der Nachrichtenagentur AFP. Es geht insbesondere um den Verdacht der Hinterziehung öffentlicher Gelder. Der 63-Jährige ist durch eine Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Ehefrau Penelope unter massiven Druck geraten. Nach Angaben aus Justizkreisen wird Fillon nicht nur eine Veruntreuung öffentlicher Gelder vorgeworfen. Der Vorwurf lautet demnach auch auf Mithilfe bei der Unterschlagung von Firmenvermögen und Verletzung der Offenlegungspflichten von Politikern.

Als Abgeordneter beschäftigte er jahrelang seine Frau Penelope als parlamentarische Mitarbeiterin, als Senator außerdem zwei seiner Kinder. Bezahlt wurden sie aus Parlamentsgeldern. Es besteht aber der Verdacht, dass sie gar keine oder nur wenige parlamentarische Aufgaben für Fillon übernahmen.

Die Untersuchungsrichter hatten Fillon eigentlich erst für Mittwoch vorgeladen. Die Befragung wurde aber um 24 Stunden vorgezogen, damit sie in "Ruhe" stattfinden könne, wie der Anwalt sagte. Der Fall hat ein gewaltiges Medieninteresse ausgelöst. Fillon hatte bereits erklärt, dass er trotzdem Kandidat bleiben will - er weist die Vorwürfe zurück.

Fillons Ehefrau war 2012 und 2013 bei einem Magazin beschäftigt worden, das Fillons Freund Marc Ladreit de Lacharrière gehört. Sie erhielt in der Zeit rund 100.000 Euro. Auch hier bestehen erhebliche Zweifel an der Arbeit der Politikergattin. Außerdem gewährte der Milliardär Ladreit de Lacharrière François Fillon 2013 einen zinslosen Kredit über 50.000 Euro, den Fillon in seiner Vermögensaufstellung für die französische Transparenzbehörde unterschlug.

In Umfragen ist der lange als Präsidentschaftsfavorit gehandelte Fillon wegen der Affäre aber abgestürzt: Bei den Wahlabsichten für die erste Runde am 23. April liegt er mit klarem Abstand hinter der Rechtsextremen Marine Le Pen und dem parteilosen Mitte-Kandidaten Emmanuel Macron und würde damit den Einzug in die Stichwahl verfehlen.

Quelle: n-tv.de

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