Bericht an U-AusschussKSK-Soldaten kannten Kurnaz
Insgesamt 32 in Afghanistan eingesetzte Soldaten des Bundeswehr-Kommandos Spezialkräfte wussten von dem in einem US-Gefangenenlager in Kandahar festgehaltenen Türken Murat Kurnaz aus Bremen.
Insgesamt 32 in Afghanistan eingesetzte Soldaten des Bundeswehr-Kommandos Spezialkräfte (KSK) wussten von dem in einem US-Gefangenenlager in Kandahar festgehaltenen Türken Murat Kurnaz aus Bremen. Das berichtet "Die Welt" unter Berufung auf einen Bericht des Staatssekretärs im Verteidigungsministerium, Peter Wichert, an den Verteidigungsausschuss des Bundestages. Zur fraglichen Zeit 2002 seien insgesamt rund 100 KSK-Soldaten in Kandahar im Einsatz gewesen. Auch ein vom Bundesnachrichtendienst abgestellter Soldat sei dabei gewesen.
Der in Bremen lebende Türke Murat Kurnaz war zunächst in ein US-Gefangenenlager in Afghanistan verschleppt und später ohne Prozess im US-Lager Guantnamo auf Kuba festgehalten worden. Dort wurde er erst nach vier Jahren im August 2006 freigelassen. Er behauptet, er sei in Afghanistan von deutschen Soldaten misshandelt worden. Die Vorwürfe werden im Verteidigungsausschuss geprüft, der sich dazu in einen Untersuchungsausschuss umfunktioniert hat.
Laut Wicherts Bericht an den Ausschuss hätten fünf KSK-Soldaten bestätigt, dass sie Kurnaz in dem US-Gefangenenlager gesehen hätten, berichtet die "Welt". Zu den angeblichen Misshandlungen heiße es jedoch: "Die von Herrn Kurnaz geschilderte Situation wird von keinem Soldaten bestätigt." US-Soldaten hätten die KSK-Soldaten auf den Türken hingewiesen und ihn an den Stacheldrahtzaun kommen lassen. Zu einem Gespräch sei es nicht gekommen. Auch habe nicht die Möglichkeit bestanden, den Mann zu identifizieren. Ein befragter Bundeswehrangehöriger habe angegeben, dass die US-Truppen den Wunsch geäußert hätten, KSK-Kräfte sollten an der Vernehmung eines "deutschen Gefangenen" teilnehmen. Der Gefangene habe es jedoch abgelehnt, mit den deutschen Soldaten zu sprechen.
Alle Meldungen über Kurnaz' Gefangenschaft in Kandahar seien seinerzeit im Berliner Verteidigungsministerium nicht weiter beachtet worden, schreibe Wichert. Bereits am 29. Dezember 2001 habe das deutsche Verbindungskommando bei den US-Streitkräften in Florida die Gefangennahme eines Deutschen in Kandahar gemeldet und am 4. Januar 2002 noch einmal bestätigt. "Nach heutigem Erkenntnisstand wurde diese Information innerhalb des Ministeriums nicht weitergegeben", schreibe Wichert. Auch andere Berichte, zum Beispiel vom KSK an das Einsatzführungskommando, hätten die Führung des Ministeriums nicht erreicht. Ein von US-Soldaten an das KSK übergebener Datenträger, der offenbar Fotos, Verhörprotokolle und Namenslisten von Gefangenen enthielt, sei im Ministerium verschwunden und "trotz intensiver Nachsuche" nicht gefunden worden.
Die KSK-Soldaten waren laut Wichert zur "Wachverstärkung" der US-Streitkräfte in dem Gefangenenlager beispielsweise auf den Wachtürmen eingesetzt und hätten an Streifengängen innerhalb des Lagers teilgenommen. Sie hätten auch beim Transport von Gefangenen in das Lager geholfen. "Misshandlungen wie zum Beispiel Treten oder Schlagen sei auch bei den US-Soldaten nicht beobachtet worden", schreibe Wichert.