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Stellung außerhalb von Falludscha (Archivbild).
Stellung außerhalb von Falludscha (Archivbild).(Foto: REUTERS)

Massaker in Falludscha befürchtet: Kämpfer brechen Aufstand gegen IS ab

Irakische Stammeskämpfer in Falludscha proben den Aufstand gegen den IS - doch das geht schief. Nach tagelangen Kämpfen ziehen sie sich wieder zurück, weil die Terrormiliz eine grausame Erpressung versucht.

Nach der Gefangennahme dutzender Bewohner durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) haben Stammeskämpfer einen Aufstand gegen den IS in der irakischen Stadt Falludscha nach nur zwei Tagen wieder beendet. Die Stammeskämpfer hätten sich aus den Gefechten "zurückgezogen", sagte ein Armeeoffizier. Die Stämme befürchteten, dass die Gefangenen hingerichtet würden, sagte der Verwaltungschef der Region in der westlichen Provinz Anbar, Issa Sajir.

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Die Stammeskämpfer hatten sich in Falludscha seit Freitag heftige Gefechte mit der IS-Miliz geliefert. Ein Stammesführer sprach von einem Aufstand gegen den IS. Seither habe der IS aber mehr als hundert Bewohner der Stadt gefangengenommen, sagte der Stammesführer Madschid al-Dschiraisi. Verwaltungschef Sajir sprach von rund 60 Gefangenen, der Armeeoffizier von über 110.

Der Provinzrat von Anbar befürchtet nun, dass die IS-Kämpfer in Falludscha ein "Massaker" anrichten, wie das Ratsmitglied Radscha Barakat sagte. Er forderte die Regierung in Bagdad auf, einen Armeeeinsatz zur Rückeroberung der Stadt zu starten. Wenn es in Falludscha ein Massaker geben sollte, trage Regierungschef Haider al-Abadi dafür die Verantwortung. Falludscha ist neben Mossul die einzige große Stadt im Irak, die noch unter Kontrolle der IS-Miliz steht.

Gräueltaten im Namen der Scharia

Die Gefechte in Falludscha hatten nach Behördenangaben mit einem Schusswechsel zwischen Stammeskämpfern und Mitgliedern der IS-Einheit Al-Hisba begonnen, die für die Durchsetzung der strengen Auslegung des islamischen Rechts der Scharia verantwortlich ist. Auslöser des Konflikts war nach Angaben eines Polizeivertreters, dass Mitglieder der Al-Hisba-Einheit eine Frau auf dem Markt ermahnt hatten, weil sie keine Handschuhe trug.

Der IS hatte im Sommer 2014 große Teile des Iraks und Syriens erobert. In den von ihnen kontrollierten Gebieten setzen die Dschihadisten die Scharia durch und verüben immer wieder Gräueltaten. In den vergangenen Monaten hatte der IS aber einige Niederlagen hinnehmen müssen, zuletzt im Dezember im irakischen Ramadi. Der IS hatte die hundert Kilometer westlich von Bagdad gelegene Hauptstadt von Anbar im Mai 2015 erobert.

Quelle: n-tv.de

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