Dienstag, 21. August 2007
Milliarden für die Forschung: Kampf gegen China
Mit Milliarden-Investitionen in Forschungsprojekte für Klima und Energie sowie zur Behandlung von Krebs und Alzheimer will die Bundesregierung bis 2010 den weltweiten Spitzenplatz der deutschen Forschung sichern. Dies sieht der forschungspolitische Teil der "Nationalen Qualifizierungsoffensive" vor, die das Bundeskabinett Ende dieser Woche auf der Klausur in Meseberg beschließen will.
"Deutschland ist stark, andere Staaten aber holen auf", heißt es in dem unter Federführung von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) erstellten Papier. Weltweit wachse die Konkurrenz. China wolle bis 2020 das deutsche Forschungsniveau erreichen. Staaten wie Finnland oder Südkorea, aber auch Österreich hätten "den engen Zusammenhang zwischen Forschungsinvestition und Produktivitätszuwachs erkannt" und steigerten ihre Ausgaben erheblich. "Die Innovationsdynamik weltweit wächst rasant. Mit diesem Tempo müssen wir mithalten."
Organische Solarzellen
Entwickelt wird ein Netz von "Leuchtturm-Projekten" und High-Tech- Strategien in der Forschung. Zwei Drittel der deutschen Unternehmen gründeten bereits heute ihren Erfolg auf Innovationen, heißt es in der Schavan-Vorlage. Als Beispiel für neue Vorhaben wird unter anderem die Entwicklung einer biegsamen Solarzelle aus organischem Material genannt, die sich zur Stromerzeugung an mobile Geräte oder auf Fenster kleben lässt.
Durch ein spezielles Durchleuchtungssystem von lebenden Zellen soll Krebs im frühesten Stadium erkannt werden können. Neue Techniken sollen Demenz- und Parkinson-Kranken sowie ihren Angehörigen das Leben erleichtern. Durch die Pharma-Forschungs-Initiative soll Deutschland wieder "zur Apotheke der Welt werden".
Offen bleibt, ob die Bundesrepublik insgesamt das sogenannte Lissabon-Ziel der EU-Staats- und Regierungschefs erreicht, bis 2010 drei Prozent seines Brutto-Inlandprodukts (BIP) für Forschung und Entwicklung auszugeben. Dafür müssten die Gesamtaufwendungen von Bund, Ländern und Wirtschaft von 55,7 Milliarden Euro (2005) auf etwa 79 Milliarden Euro im Jahr gesteigert werden. Derzeit liege man bei einem BIP-Anteil von 2,5 Prozent - immer noch über dem Durchschnitt der EU-Staaten von 1,74 Prozent.
Zahl der Beschäftigten stagniert
Die deutsche Wirtschaft wird zu vermehrten Forschungsinvestitionen aufgefordert. Einige Bundesländer würden die nationale Entwicklung durch eigene Programme unterstützen. Eine Grafik in der Vorlage verdeutlicht, dass die Intensität der Länderinvestitionen gemessen am BIP in Berlin und Sachsen am größten ist, in Hessen und Bayern am geringsten. Allerdings sind in den südlichen Bundesländern die absoluten Ausgaben für Forschung und Entwicklung am höchsten.
Der Übersicht zufolge stagniert bundesweit die Zahl der Beschäftigten in Forschung und Entwicklung seit den 90er Jahren. Um das Drei-Prozent-Ziel zu erreichen, sei ein "zusätzlicher Beschäftigungsschub von etwa 90.000 Forschern erforderlich".
Schavan will deutsche Experten und Spezialisten, die im Ausland forschen und entwickeln, mit einem gezielten Programm zurückholen. Ein "Wissenschaftsfreiheitsgesetz" soll ihnen auch in Deutschland "forschungsfreundliche rechtliche Rahmenbedingungen" schaffen. Dazu gehörten auch attraktive Job- und Karriereangebote für den jeweiligen Lebenspartner.
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