Politik
Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatssekretär Hans Globke.
Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatssekretär Hans Globke.(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Samstag, 30. April 2016

Drittes Reich: Kanzleramt lässt NS-Geschichte untersuchen

Auch 70 Jahre nach dem Ende des NS-Faschismus haben einige Bundesministerien ihre Vergangenheit im Dritten Reich noch nicht aufgearbeitet - darunter ausgerechnet das Bundeskanzleramt unter Angela Merkel.

Ausgerechnet das wichtigste Ministerium hat bislang wenig Anstalten unternommen, seine NS-Vergangenheit aufzuklären. Das soll sich offenbar endlich ändern. Das Kanzleramt hat den jahrelangen Widerstand gegen eine offizielle Aufarbeitung seiner Gründerzeit aufgegeben, wie der "Spiegel" berichtet. Die Aufarbeitung solle nun diskret in einem "ressortübergreifenden Forschungsprogramm" erfolgen, das Kulturstaatsministerin Monika Grütters zurzeit vorantreibe, berichtet das Nachrichtenmagazin in seiner neuesten Ausgabe.

Es geht um NS-belastete Beamte und deren Wirken in der Regierungszentrale, die Staatssekretär Hans Globke von 1953 bis 1963 leitete. Globke ist das Symbol schlechthin für die unbewältigte NS-Vergangenheit. Er war hoch umstritten, da er den ersten juristischen Kommentar zu den Nürnberger Rassegesetzen mitverfasst hatte. "Globke war insbesondere für die Bürger der ehemaligen DDR eine Symbolgestalt für das Fortleben des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik", sagte der renommierte Historiker Wolfgang Benz der "Welt". Adenauer hätte Globke nicht zum Kanzleramtschef machen sollen, weil er sich damit auch selbst angreifbar gemacht habe. Mit Globke, sagt der langjährige Direktor des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung, sei "ein Handlangerder NS-Rassenpolitik in eine wichtige Nachkriegsposition gebracht" worden.

Laut "Spiegel" suchen zurzeit elf Historikerkommissionen nach NS-Wurzeln von Ministerien und anderen Behörden. Wissenschaftler vom Institut für Zeitgeschichte und vom Zentrum für Zeithistorische Forschung hatten kürzlich gefordert, künftig über die Ministeriumsgrenzen hinweg zu recherchieren, etwa Kollektivbiografien aller Staatssekretäre zu erstellen. Ein derartiges Konzept sei auch für das Kanzleramt akzeptabel, heißt es in dem Bericht. Globke wäre dann nur einer von vielen.

Quelle: n-tv.de

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