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John Kasich liegt bis zu zehn Prozent in den Umfragen vor Clinton.
John Kasich liegt bis zu zehn Prozent in den Umfragen vor Clinton.(Foto: AP)

Der letzte Moderate : Kasich hilft nur das Chaos in Cleveland

Von Christian Rothenberg

Trump oder Cruz? Bei den US-Vorwahlen der Republikaner deutet viel auf einen Zweikampf hin. Doch auch ein dritter Mann hat theoretisch noch Chancen, Präsidentschaftskandidat zu werden: John Kasich.

Es gibt da diese eine Statistik, die John Kasich fast täglich über seinen Twitter-Kanal schickt. Sie ist einer der wenigen verbleibenden Trümpfe. So zeigen verschiedene Umfragen, welcher republikanische Präsidentschaftsbewerber im Duell gegen Hillary Clinton die besten Chancen hätte. Es ist weder Donald Trump noch Ted Cruz, sondern Kasich. Bis zu zehn Prozent liegt er in den Umfragen vor Clinton, die wahrscheinlich für die Demokraten kandidieren wird.

Eigentlich galt Kasich bis vor kurzem als krasser Außenseiter. Bei den ersten Vorwahlen erhielt er fast durchgehend Ergebnisse im niedrigen einstelligen Bereich. Dann lichtete sich das Feld der Republikaner. Ben Carson schmiss hin, Jeb Bush, Chris Christie, Rand Paul, zuletzt auch Geheimfavorit Marco Rubio – Kasich blieb. Neben Trump und Cruz ist er einer von drei verbleibenden Kandidaten. Aber hat Kasich überhaupt eine Chance? Womöglich hat er das, aber nur über einen Umweg.

Kasich hat durchaus Vorzüge gegenüber den in vielerlei Hinsicht auffälligen Cruz und Trump. Er ist normaler, ruhiger und gemäßigter als seine beiden Rivalen. Der Mann aus Pennsylvania ist Sohn eines Briefträgers. Von 1983 bis 2001 saß er im Kongress, arbeitete dann als Investmentbanker und ist seit 2011 Gouverneur in Ohio. Kasich hat wahlstrategisch einen Vorteil: Stärker als seine beide Konkurrenten könnte er den Demokraten in der Mitte wohl die meisten wankelmütigen Wähler abjagen. Vor allem deshalb liegt er in Umfragen wohl vor Clinton.

In den Teilen seiner Partei, die mit Cruz und Trump fremdeln, vereinigten sich die Hoffnungen zunächst auf Rubio – und jetzt auf ihn. Im Gegensatz zu Trump und Cruz stellt sich Kasich nicht gegen das Polit-Establishment in Washington. Er akzeptiert die Homo-Ehe, befürwortet aber einen Zaun an der Grenze zu Mexiko. Im Wahlkampf setzt er bewusst auf eine Gegenbotschaft zu den polarisierenden Cruz und Trump: zusammenführen statt spalten.

Kasich bräuchte Siegesserie

Viele hatten den 64-Jährigen längst abgeschrieben. In den vergangenen Wochen sammelte Kasich dann jedoch mehrere Erfolge bei den Vorwahlen. In Michigan und Washington D.C. wurde er Zweiter, in seinem Heimatstaat Ohio gewann er sogar. Nach dem Ausscheiden Rubios profitiert Kasich davon, dass er der einzig verbliebene moderate Bewerber ist. Zuletzt erklärte unter anderem der frühere kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger seine Unterstützung für ihn. Der aus dem Wahlkampf ausgestiegene Rubio rief dessen Anhänger auf, ihre Stimme Kasich zu geben.

Aber reicht das? Vermutlich nicht, zumindest auf dem konventionellen Weg. Im Kampf um die begehrten Delegierten liegt Kasich weit zurück. Wer Präsidentschaftskandidat der Republikaner werden will, benötigt beim Nominierungsparteitag im Juli in Cleveland die Mehrheit der Delegierten, also mindestens 1237 Stimmen. Trump hat bereits 678, Cruz 423, Kasich nur 143. Rund 1000 Delegiertenstimmen werden bis Juni noch vergeben. Doch selbst für Trump, der 19 Vorwahlen gewann, ist es längst nicht ausgemacht, dass er noch auf die nötige Zahl kommt.

Umso schwieriger wird es für Kasich. Um den Rückstand aufzuholen, reichen für ihn keine guten zweistelligen Ergebnisse. Er muss eine Siegesserie hinlegen und möglichst in Staaten gewinnen, in denen die Delegiertenstimmen nicht auf die Kandidaten verteilt werden. Doch Siege sind nicht in Sicht. In einer Umfrage für die Vorwahlen im Bundesstaat Utah, in dem am Mittwoch gewählt wird, kommt Kasich mit 29 Prozent auf den zweiten Platz hinter Cruz, deutlich vor Trump. Das ist beachtlich, aber nicht genug. Auch in Arizona, New York und Kalifornien halten die Meinungsforscher keine positiven Prognosen für ihn bereit.

"Man weiß nie, was noch passieren wird"

Doch Kasich spekuliert möglicherweise gar nicht darauf, Trump bis zum Parteitag zu überholen. Er setzt auf das Chaos-Szenario. Wenn keiner der Bewerber bis Juli die nötigen Delegiertenstimmen erreicht, könnte die Entscheidung per Kampfabstimmung fallen. Sollte sich Trump dann im ersten Wahlgang nicht durchsetzen, wären nicht mehr alle Delegierten an ihren Bewerber gebunden und könnten auch für andere Kandidaten stimmen. Eine Regel besagt zwar, dass jeder Kandidat mindestens acht Vorwahlen gewonnen haben muss. In der Partei gibt es jedoch Diskussionen, diese Regelung zu ändern.

Die sogenannte "contested convention" gab es bisher nur ein einziges Mal, im Jahr 1948. Sollte es in Cleveland tatsächlich so weit kommen, droht den Republikanern wenige Monate vor der Wahl großer Streit. Trump kündigte bereits "Krawalle" an, wenn er nicht nominiert werden sollte. Kommt es zu einer Kampfabstimmung, dann könnte Kasich gegen seine in der Partei umstrittenen Konkurrenten doch noch seine Chance erhalten. Viel deutet daher darauf hin, dass er nicht vorzeitig aus dem Wahlkampf aussteigt und auf diese Karte spielt. "Man weiß nie, was noch passieren wird", solche Sätze sagt Kasich in diesen Tagen gern.

Bis zum Juli bleibt ihm kaum etwas anderes, als auf die Umfragen hinzuweisen, die seine guten Chancen in einem möglichen Duell gegen Clinton belegen. "Nur John Kasich kann im November gewinnen" oder "kein Republikaner ist stärker gegen Hillary Clinton", steht in den Tweets von Kasich und seinem Team. Doch vielleicht wird das am Ende auch nichts nutzen.

Quelle: n-tv.de

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