Das gab's noch nieKassen horten 23,5 Milliarden Euro
So viel Geld hatte die Krankenversicherung wohl noch nie auf der hohen Kante. Die Milliarden reichen auch für das Aus der Praxisgebühr. Doch es muss nicht so rosig bleiben.
Die gesetzliche Krankenversicherung hat eine Rekordreserve von 23,5 Milliarden Euro angesammelt. Damit ist wohl auch vorerst der Höhepunkt erreicht. Nach Vorlage der Zahlen vom dritten Quartal dürfte es im Gesamtjahr nicht zu wesentlichen weiteren Überschüssen kommen, teilte das Bundesgesundheitsministerium in Berlin mit. Danach schlagen das Aus der Praxisgebühr und Ausgabensteigerungen zu Buche.
Der Rekord basiert auf der stabilen Wirtschaftslage bei moderaten Ausgabensteigerungen. Der Beitragssatz beträgt unverändert 15,5 Prozent. Zu einem Finanzpolster von 14 Milliarden Euro bei den Krankenkassen kommt nach neun Monaten des Jahres eine Reserve von rund 9,5 Milliarden beim Gesundheitsfonds, der Geldsammelstelle der Kassen. Zum Ende des ersten Halbjahrs belief sich die Reserve der gesetzlichen Krankenversicherung noch auf rund 21,8 Milliarden Euro.
Die Kassen erzielten in den ersten neun Monaten des Jahres einen Überschuss von rund 4,05 Milliarden Euro. Der Fonds wies ein Defizit von 15 Millionen Euro auf, dürfte aber aufgrund von Einmalzahlungen wie dem Weihnachtsgeld bis zum Jahresende noch steigende Beitragseinnahmen haben.
Für Gesundheitsminister Daniel Bahr zeigen die Zahlen das solide finanzielle Fundament der Krankenversicherung. Die nötigen Mittel zur beschlossenen Abschaffung der Praxisgebühr Anfang 2013 seien vorhanden, so der FDP-Politiker. Einnahmen von zwei Milliarden pro Jahr fallen damit weg. Das Geld fließt aus der Fonds-Reserve.
Bahr begrüßte, dass vor allem mit der Techniker Krankenkasse sich nun auch große Versicherungen zu Prämienausschüttungen an ihre Mitglieder entschlossen haben. "Allein davon werden mehr als sieben Millionen Mitglieder profitieren."
Das Hoch hält sich nicht
Die Finanzlage könnte sich im kommenden Jahr eintrüben. Der offizielle Schätzerkreis hatte im Oktober auf erhebliche Risiken aufgrund der unsicheren Lage des Euro-Raumes hingewiesen. Höhere Ausgaben für Ärzte, Arzneimittel und Kliniken dürften nach Angaben der Schätzer 2013 zu einem Ausgabenplus von 4,6 Prozent führen.
Die FDP hatte das Aus für die Praxisgebühr gegen den Widerstand der Union durchgesetzt, eine Senkung des Kassenbeitrags stand dagegen nicht näher zur Diskussion. Während Zusatzbeiträge im Wahljahr 2013 in größerem Stil durchgängig ausgeschlossen werden, gibt es für 2014 angesichts der Risiken keine Klarheit.