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Die Zusatzbeiträge für Krankenkassen könnten sich in den nächsten drei Jahren verdoppeln.
Die Zusatzbeiträge für Krankenkassen könnten sich in den nächsten drei Jahren verdoppeln.(Foto: dpa)

Zusatzbeiträge von zwei Prozent: Kassenbeiträge werden weiter steigen

Das neue Jahr brachte höhere Zusatzbeiträge der Krankenkassen - die ausschließlich Arbeitnehmer bezahlen. Doch das ist erst der Anfang: Die Prognosen der Spitzenvertreter der Kassenverbände sind alles andere als optimistisch.

Die Zusatzbeiträge der deutschen Krankenkassen dürften weiter steigen. Davon geht die Vorstandschefin des Spitzenverbands der gesetzlichen deutschen Kranken- und Pflegekassen (GKV), Doris Pfeiffer, aus. "Schon im nächsten Jahr wird der durchschnittliche Zusatzbeitrag voraussichtlich um 0,2 bis 0,3 Prozent steigen", sagte sie der Tageszeitung "Die Welt". Zum Jahreswechsel hatten viele Krankenkassen diesen Beitrag bereits erhöht und eine Diskussion über die Finanzierung des Systems ausgelöst.

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Bis in drei Jahren sei in etwa eine Verdoppelung vorstellbar, sagte die GKV-Vorstandsvorsitzende. "Wenn man das strukturelle Defizit fortschreibt und auch die teuren Reformen mit einkalkuliert, dann wird sich der durchschnittliche Zusatzbeitrag, der im vergangenen Jahr noch bei 0,9 Prozent lag, bis 2019 auf 1,8 Prozent verdoppeln."

Auch der Vorsitzende des Ersatzkassenverbandes, Christian Zahn, rechnet mit steigenden Beiträgen: "Durch die teure Gesetzgebung der großen Koalition wird der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz bis 2020 auf 2 Prozent steigen", sagte er in Berlin. Zurzeit liegt der Zusatzbeitrag, den die Arbeitnehmer allein zahlen müssen, im Schnitt bei 1,1 Prozent. Er sprach sich als kurzfristige Gegenmaßnahme dafür aus, die Finanzpolster des Gesundheitsfonds abzuschmelzen und die freiwerdenden Mittel zur Abfederung der Kosten einzusetzen.

Reformen treiben Kosten nach oben

Zu den kostspieligen Veränderungen gehört die Krankenhausreform von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Sie kostet dem GKV zufolge zunächst viel Geld, bevor die Versicherten davon in einigen Jahren profitieren sollen. Auch andere Gesetze des Ministers wie das Präventionsgesetz oder das Hospiz- und Palliativgesetz hatte der Verband bereits wegen kostensteigernder Effekte scharf kritisiert.

Der Zusatzbeitrag kann von den einzelnen Kassen je nach Finanzlage eigenständig festgelegt und zusätzlich zu den regulären Beiträgen erhoben werden. Anders als diese wird er von den Arbeitnehmern allein bezahlt, die Arbeitgeber beteiligen sich nicht daran. Gerade dieser Punkt sorgte jüngst für politischen Streit. SPD, Grüne und Linke forderten nach der Erhöhung zum Jahreswechsel die Rückkehr zu einer paritätischen Finanzierung, die beide Seiten gleichermaßen belastet. Der Druck auf die Politik in dieser Frage werde durch weitere Erhöhungsschritte noch steigen, sagte Pfeiffer. "Das wird vermutlich ein Wahlkampfthema im nächsten Jahr werden." Auch der Ersatzkassenverband, dem etwa die Marktführer Techniker Krankenkasse und Barmer GEK angehören, fordert eine voll paritätische Finanzierung der Beiträge.

Terminservicestellen starten

Anlässlich des Starts der sogenannten Terminservicestellen für die gesetzlich Versicherten warnte die GKV-Chefin die Ärzte derweil vor einer schleppenden Umsetzung. Die Kassenärztlichen Vereinigungen müssten dafür sorgen, dass das Angebot funktioniere. "Die Politik und auch wir werden genau beobachten, ob es funktioniert." Falls nicht, "muss man sicherlich noch einmal nachsteuern", sagte sie.

Die Terminservicestellen sollen gesetzlich Versicherten innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem Facharzt vermitteln. Sie werden von den regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen betrieben und sind eine Reaktion auf weitverbreitete Klagen, dass gesetzlich Versicherte oft viel länger auf Termine warten müssen als privat Versicherte. Die Servicestellen starten offiziell an diesem Samstag.

Versicherte können sich telefonisch an die Einrichtungen wenden und sich einen Facharzt-Termin vermitteln lassen, wenn sie sich nicht selbst auf die Suche machen wollen. Eine Überweisung ist weiterhin Voraussetzung. Bagatellerkrankungen und Routineuntersuchungen sind ausgenommen, ebenso Vermittlungen von Psychotherapeuten. Es besteht kein Anspruch auf einen Wunschtermin oder Wunscharzt, auch etwas längere Anfahrtswege gelten in bestimmten Grenzen als zumutbar.

Quelle: n-tv.de

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