Politik
In diesem Wahllokal in Barcelona wollen die Menschen bis Sonntag ausharren, damit die Polizei den Abstimmungsort nicht schließen kann.
In diesem Wahllokal in Barcelona wollen die Menschen bis Sonntag ausharren, damit die Polizei den Abstimmungsort nicht schließen kann.(Foto: AP)
Samstag, 30. September 2017

Referendum zur Unabhängigkeit: Katalanen besetzen Wahllokale

Im Streit um die Volksbefragung in Katalonien läuft alles auf eine Eskalation hinaus: Weil die Polizei alle Wahllokale bis Sonntagmorgen schließen soll, wollen Aktivisten die Räume nun nicht mehr verlassen. Die Sorge wächst, dass der Wahltag nicht gewaltfrei bleiben wird.

Kurz vor dem umstrittenen Referendum haben in Katalonien Befürworter einer Unabhängigkeit Wahllokale besetzt. Mit den Aktionen setzten sie sich in der Nacht zu Samstag über Gerichtsbeschlüsse hinweg, nach denen die Abstimmung illegal ist und die Wahllokale geschlossen bleiben müssen. Die Zentralregierung in Madrid hat Tausende Polizisten in die Region geschickt, um das Votum zu verhindern.

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Die Aktivisten nahmen auch zwei Schulen in Barcelona in Beschlag, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP beobachteten. Auf Twitter wurden zahlreiche Bilder von weiteren Besetzungen veröffentlicht. Der Chef der Regionalpolizei hatte zuvor angeordnet, dass bis Sonntagmorgen um sechs Uhr alle Wahllokale geschlossen sein müssen.

Nach dem Willen der Organisatoren sollen die Katalanen ab neun Uhr abstimmen. Nach einer internen Anweisung, die die Zeitung "La Vanguardia" veröffentlichte, sollen die Polizisten Gewalt nur als letztes Mittel anwenden. Die Organisatoren riefen die Bürger dazu auf, auch dann friedlich zu bleiben, wenn sie an der Stimmabgabe gehindert werden.

Puigdemont will keine Gewalt

Der katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Unabhängigkeitsbewegung sei pazifistisch. Er gehe davon aus, dass niemand Gewalt einsetzen oder diese provozieren werde. Dennoch zeigte er sich überzeugt davon, dass die Behörden der Region das Referendum trotz der gerichtlichen Verbote durchführen können. In den mehr als 2000 Wahllokalen sei alles dafür vorbereitet.

Auch die Zentralegierung in Madrid äußerte die Hoffnung, dass der Sonntag friedlich verläuft. Sie bekräftigte allerdings, dass es keine Abstimmung geben werde und die Organisatoren mit Strafverfahren rechnen müssten. Die Regierung beruft sich auf die Verfassung. Danach ist Spanien ein unteilbarer Staat.

Quelle: n-tv.de

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