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Kim präsentiert im Staatsfernsehen, was die Propaganda als Wasserstoffbombe bezeichnet.
Kim präsentiert im Staatsfernsehen, was die Propaganda als Wasserstoffbombe bezeichnet.(Foto: imago/UPI Photo)
Montag, 04. September 2017

Atombombentest in Nordkorea: "Kim hat nachgewiesen, dass er es kann"

Mit einem neuen Atomtest sendet Nordkorea ein Signal der Stärke aus. Ziel sind nach Meinung des Konfliktforschers Hans-Joachim Schmidt Gespräche mit den USA und dem Westen. Doch gelingt es Trump und Kim, rechtzeitig zum Dialog zu finden?

n-tv.de: Es hat einen neuen Atomtest in Nordkorea gegeben. War das wirklich eine Wasserstoffbombe?

Hans-Joachim Schmidt: Da wäre ich vorsichtig, die Experten sind sich noch uneinig, ob es eine mit Tritium oder Deuterium geboostete Nuklearbombe oder vielleicht nur teilweise funktionierende Wasserstoffbombe war. Auf jeden Fall haben die Nordkoreaner einen starken "Bang" von sich gegeben und nachgewiesen, dass sie es können.

Warum ist es so schwer zu beurteilen, was das genau war?

Hans-Joachim Schmidt ist Projektleiter Internationale Sicherheit bei der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. Einer seiner Schwerpunkte ist der Korea-Konflikt.
Hans-Joachim Schmidt ist Projektleiter Internationale Sicherheit bei der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. Einer seiner Schwerpunkte ist der Korea-Konflikt.

Nordkorea veröffentlicht keine Fotos seiner Nuklearsprengkörper. Man kann daher nur über die bei der Explosion freiwerdenden Radionuklide ermitteln, ob es sich um einen Wasserstoffbombentest handelt. Allerdings wäre es am günstigsten, wenn man zur Messung direkt auf oder über dem Testgelände wäre. Aus größerer Entfernung ist das schwieriger nachzuweisen. Auf jeden Fall haben die Nordkoreaner eine deutlich stärkere Bombe zur Explosion gebracht als bei früheren Tests.

Ändert das die Kräfteverhältnisse im Korea-Konflikt?

Ja, das verändert das Kräfteverhältnis. Die Nordkoreaner unterstreichen, dass sie möglichst aus einer Position der Stärke heraus Verhandlungen mit den USA wollen. Dazu müssen sich die USA nun verhalten, was ihnen sichtlich Probleme bereitet.

Was will Kim Jong-Un?

Nordkorea will endlich eine Friedensregelung und als Nuklearmacht anerkannt werden. Letzteres wird Kim sicher nicht erreichen, aber man muss sich faktisch damit abfinden, dass man es mit einer Nuklearmacht Nordkorea zu tun hat und versuchen, sie so weit wie möglich einzuhegen - auch durch entsprechende Gespräche.

Trump reagiert hart, es lägen alle Optionen auf dem Tisch – auch die nukleare. Glauben Sie, dass es tatsächlich zu einer nuklearen Auseinandersetzung kommt?

Ich hoffe es nicht. Die USA müssen in so einer Situation ihren Bündnispartnern versichern, dass diese sich auf die Verteidigung durch die USA verlassen können. Das haben die USA sehr deutlich gemacht. Aber die USA haben auch in den Raum gestellt, bereits im Falle von Drohungen zuzuschlagen. Das trägt nicht gerade zur Beruhigung des Konflikts bei. Nordkorea hat parallel zu dem Test aber bisher auf eine Drohung gegen die USA verzichtet. Man muss jetzt abwarten, wie Kim auf Trumps Aussagen und die seines Verteidigungsministers James Mattis reagiert.

Wie sollten die USA am besten vorgehen?

Die Forderungen der Nordkoreaner liegen auf dem Tisch. Es gab schon geheime Gespräche in New York, in denen Nordkorea Zugeständnisse gemacht wurden: Die USA haben sich bei den letzten gemeinsamen Manövern mit Südkorea etwas zurückgehalten. Es wäre nun wichtig, Nordkorea noch ein Stückchen entgegenkommen. Umgekehrt müsste sich aber auch Nordkorea nach dem Zeichen der Stärke verbal und in seinem Testverhalten zurückhalten, damit die Chancen für einen Dialog wachsen. Mit einer weiteren Verschärfung der Krise ist niemandem gedient.

Der Nordkorea-Konflikt wird oft mit dem Atomkonflikt mit dem Iran verglichen. Kann man aus dem Iran-Deal etwas für den Umgang mit Nordkorea lernen?

Nur bedingt, denn der Iran hatte ja noch keine Bombe. Außerdem will Trump durch zusätzliche Sanktionen und andere Maßnahmen den Iran zur Aufkündigung des Iranabkommens provozieren. Und das schafft natürlich auch keine vertrauensfördernde Grundlage für mögliche Gespräche mit Nordkorea.

Was für ein Signal war der Test an den Rest der Welt?

Der Zeitpunkt zeigt sehr deutlich, dass sich der Test auch gegen China und Russland gerichtet hat. In China stand gerade die Eröffnung des Brics-Gipfels an. Kim wollte damit Moskau und Peking dazu ermahnen, die Forderungen nach Gesprächen mit den USA zu unterstützen.

China gilt als der letzte Verbündete Nordkoreas. Was sagt Peking dazu?

Die Chinesen ärgert der Test auch. Man muss sehen, dass dieser Nukleartest sowohl in Russland als auch in China Erdbebenwirkung entfaltet hat. Da wackelten bis 200 Kilometer in China hinein die Wände und die Lampen an den Decken. China ist ohnehin besorgt über freiwerdende Radioaktivität und wird sicherlich sofort an der Grenze gemessen haben.

Warum engagieren sich die Chinesen nicht stärker?

Das werden sie sicher noch tun. China hat angedeutet, dass sie bereit sind zu mehr Sanktionen. Aber die überhebliche Drohung Trumps nach dem Bombentest, man werde den Handel mit allen Staaten, die Nordkorea beliefern, einstellen, ist einer Verständigung mit China nicht dienlich. Mit Russland ist die Situation in anderen Fragen ja ähnlich – der Botschafts- und Konsularstreit, die von den USA diskutierten Waffenlieferungen an die Ukraine, der Konflikt um den bilateralen INF-Vertrag. Meine große Befürchtung ist, dass in dieser Situation ein klares Krisenmanagement der USA nicht zu erkennen ist und deshalb die Eskalation leider zunehmen wird.

Mit Hans-Joachim Schmidt sprach Johannes Graf

Quelle: n-tv.de

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