Politik

Fast jedes fünfte Kind betroffen: Kinderarmut könnte bald wieder steigen

Trotz weit verbreiteten Wohlstands in Deutschland leben noch immer viele Kinder in Armut. Zwar ist die Zahl im Vergleich zum Höchststand Mitte der 2000er Jahre gesunken, doch durch den Flüchtlingszuzug könnte sie schon bald wieder steigen.

Besonders Kinder aus Zuwandererfamilien sind von Armut gefährdet.
Besonders Kinder aus Zuwandererfamilien sind von Armut gefährdet.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Kinderarmut in Deutschland ist einer Studie zufolge auf den Stand von Mitte der 90er Jahre zurückgefallen. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. Zudem droht durch das Armutsrisiko von Flüchtlingskindern wieder ein Anstieg der Armutsquote, wie eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftnahe Hans-Böckler-Stiftung ergab.

Mit einem Anteil von 19 Prozent ist demnach fast jedes fünfte Kind von Armut betroffen. Diese auf Grundlage des Mikrozensus von 2014 ermittelte Armutsquote lag nach einem Rückgang im Vergleich zum vergangenen Jahrzehnt der Stiftung zufolge auf dem Niveau von 1996. Die regionalen Unterschiede sind demnach aber enorm.

So lebten in Bremen 33,1 Prozent, in Sachsen-Anhalt 28,7 Prozent und im Regierungsbezirk Düsseldorf 25,1 Prozent der Kinder und Jugendlichen in armen Haushalten. Hingegen waren es in Oberbayern, der Oberpfalz und Tübingen lediglich zwischen 9,1 Prozent und 10,5 Prozent.

Zuwanderer besonders armutsgefährdet

Als arm gelten nach gängiger wissenschaftlicher Definition Haushalte, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt die Armutsschwelle derzeit bei einem Nettoeinkommen von weniger als 1926 Euro im Monat. 2014 lebten rund 2,47 Millionen Kinder in Armut.

Im Vergleich zum Höchststand Mitte der 2000er Jahre ist die Kinderarmut gesunken, könnte in den kommenden Jahren aber vor dem Hintergrund der starken Zuwanderung wieder spürbar steigen, erwartet WSI-Sozialexperte Eric Seils. Dies legten Daten zur Armutsquote von Familien nahe, die bereits früher aus diesen Regionen eingewandert sind.

Der Stiftung zufolge haben ein Drittel der Familien mit Kindern, bei denen die Eltern aus dem Nahen und Mittleren Osten nach Deutschland kamen, ein Einkommen unterhalb der Armutsschwelle. Bei Familien aus Serbien und Afrika betrage die Armutsquote sogar über 40 Prozent. Damit die Familien aus der Armut herauskommen, bräuchten die Eltern nicht irgendeinen Job, sondern eine möglichst gute Integration in den Arbeitsmarkt.

Quelle: n-tv.de

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