Dienstag, 16. Oktober 2007
Auswirkungen von Hartz IV: Kinderarmut verdoppelt
Die Hartz-IV-Reform hat die Situation von Kindern aus einkommensschwachen Familien nach Einschätzung der Nationalen Armutskonferenz (NAK) drastisch verschlechtert. Die Zahlen seien alarmierend und skandalös, kritisierte die Konferenz. "Etwa jedes sechste Kind in Deutschland lebt in Armut - wird die Dunkelziffer berücksichtigt, sogar fast jedes Vierte", sagte NAK-Sprecher Wolfgang Gern.
Etwa 2,2 bis 3 Millionen Jungen und Mädchen leben demnach in Familien mit einem Einkommen in Höhe des Existenzminimums - mehr als doppelt so viele wie 2004, als Arbeitslosen- und Sozialhilfe noch getrennt waren. "Die Hoffnung, dass die Reformen eine Verbesserung bewirken, hat sich nicht erfüllt", sagte Gern. Vielmehr hätten durch die Reformen Niedriglohnarbeiten zugenommen.
Realitätsnähe gefordert
Die NAK forderte, das Existenzminimum realitätsnäher zu berechnen und bundesweit einheitliche Sachleistungen für Bildung und Betreuung einzuführen.
"Kinderarmut ist dort am größten, wo die Eltern Schwierigkeiten haben, sich auf dem Arbeitsmarkt zu positionieren", erklärte Gern. Betroffen seien davon vor allem die Kinder Alleinerziehender, solche aus Familien mit mehreren Kindern oder mit Migrationshintergrund.
Die Armutskonferenz ist ein Zusammenschluss der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege, bundesweit tätiger Fachverbände und Selbsthilfeorganisationen sowie des Deutschen Gewerkschaftsbundes.
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