Hohe Zahlen in AKW-NäheKinderkrebs nur Zufall?
Eine Studie registrierte im Umfeld von Atomkraftwerken überdurchschnittlich viele Leukämiefälle bei Kleinkindern. Die Ursache für die Krankheit muss das AKW deshalb noch nicht sein.
Die Strahlung normal arbeitender Atomkraftwerke kann nach Einschätzung von Experten nicht zur Erklärung der erhöhten Zahl von Krebsfällen von Kindern in deren Umgebung herangezogen werden. Dies erklärte das Deutsche Kinderkrebsregister in Mainz. Dessen Forscher veröffentlichen in diesen Tagen im "International Journal of Cancer" sowie im "European Journal of Cancer" gleich zwei Publikationen über ihre entsprechende neue Studie. Die Untersuchung hatte am Wochenende die Debatte über mögliche Gesundheitsgefahren von Atomkraftwerken wieder aufflammen lassen.
Die Erklärung der Forscher fasst die Resultate so zusammen: "In Deutschland findet man einen Zusammenhang zwischen der Nähe der Wohnung zu einem Kernkraftwerk und der Häufigkeit, mit der Kinder vor ihrem fünften Geburtstag an Krebs und besonders an Leukämie erkranken." Allerdings erlaube die Studie keine Aussage über die Ursachen: "So kommt nach dem heutigen Wissensstand Strahlung, die von Kernkraftwerken im Normalbetrieb ausgeht, als Ursache für die beobachtete Risikoerhöhung nicht in Betracht", erklären die Forscher. "Denkbar wäre, dass bis jetzt noch unbekannte Faktoren beteiligt sind oder dass es sich doch um Zufall handelt."
Die vom Bundesamt für Strahlenschutz in Auftrag gegebene Langzeitstudie des Deutschen Kinderkrebsregisters hat herausgefunden, dass je näher Kinder an einem AKW wohnen, ihr Risiko an Leukämie zu erkranken umso höher ist. 24 Jahre lang, von 1980 bis 2003, wurden die Krebserkrankungen von Kindern im Alter unter fünf Jahren beobachtet, die im Fünf-Kilometer-Umkreis von Atomkraftwerken aufwuchsen.
Die Studie wurde an 16 Standorten in Deutschland durchgeführt. Dort erkrankten im Studienzeitraum 77 Kinder an Krebs, 37 davon an Leukämie. Der statistische Durchschnitt liegt bei 48 Krebserkrankungen und 17 Leukämiefällen. Kinder, die in der Nähe von AKWs aufwachsen, haben demnach ein um 60 Prozent erhöhtes Krebs- und ein um 120 Prozent erhöhtes Leukämie-Risiko im Vergleich zu Kindern, die nicht in der Nähe eines AKWs leben.