Politik
"Sollten wir das Ziel nicht erreichen, wird es für alle von uns sehr viel teurer, als wir es uns heute ausmalen können"
"Sollten wir das Ziel nicht erreichen, wird es für alle von uns sehr viel teurer, als wir es uns heute ausmalen können"(Foto: REUTERS)

Zwei Grad zu schaffen?: "Klimaziele sind unrealistisch"

Die globale Erwärmung soll auf weniger als zwei Grad gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung begrenzt werden. Das ist das Ziel der internationalen Klimapolitik. Doch Forscher halten dieses Ziel für unrealistisch. Sie sprechen von einer Phantomdiskussion, die den Blick auf pragmatische Lösungen verstelle. Denn selbst drei Grad seien ein schwer erreichbares Ziel.

Vor dem am Montag beginnenden Weltklimagipfel in Doha haben Klimaforscher der Politik die Verfolgung unrealistischer Ziele vorgeworfen. Eine Begrenzung der Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius sei "politisch kaum durchsetzbar", sagte der Vorsitzende des Deutschen Klimakonsortiums, Jochem Marotzke, dem "Spiegel". Das Zwei-Grad-Ziel dient als Bezugspunkt für die Verhandlungen. Laut Marotzke sind aber selbst drei Grad schwer zu erreichen.

Der Klimapolitik-Experte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Oliver Geden, sprach sich gegen das Festhalten am Zwei-Grad-Ziel aus. Eine Phantomdiskussion, wie sie nun auch wieder in Doha zu erwarten sei, verstelle nur den Blick auf pragmatische Lösungen. Geden hält es für aussichtsreicher, wenn einzelne Länder, aber auch Unternehmen oder Städte sich verbündeten, um klimafreundliche Konzepte umzusetzen.

EU-Plan nicht mehr umsetzbar

Die EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard warnte dagegen vor Änderungen an der Zwei-Grad-Marke. "Sollten wir das Ziel nicht erreichen, wird es für alle von uns sehr viel teurer, als wir es uns heute ausmalen können", sagte sie. Gleichzeitig räumte sie ein, dass es der Europäischen Union nicht gelungen sei, mit ehrgeizigen Klimaschutzzielen in die Verhandlungen von Doha zu gehen. Der zunächst vorgesehene Klimaplan der EU sei kurzfristig nicht mehr umzusetzen.

Ursprünglich hatte die EU geplant, ihren Ausstoß des Treibhausgases CO2 bis 2020 um 30 Prozent zu reduzieren. Gegen dieses Ziel hatte sich bislang Polen verwehrt. Der Klimagipfel von mehr als 190 Staaten beginnt am Montag in Doha zunächst mit Beratungen auf Fachebene. Für die Schlussphase vom 5. bis 7. Dezember werden dann die Umweltminister sowie einige Staats- und Regierungschefs erwartet.

Mehr Engagement gefragt

Der frühere Umweltminister Klaus Töpfer (CDU) forderte von der Bundesregierung mehr Engagement bei der Energiewende. Die Regierung konzentriere sich derzeit nur auf die Stromerzeugung. Wichtig sei jedoch, "die Themen Wärme, Mobilität und Energieeffizienz genauso entschlossen" anzugehen, sagte er dem "Spiegel".

Quelle: n-tv.de

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