Samstag, 17. Oktober 2009
Falschaussagen bei Gedenkrede: Köhler rudert zurück
Das Bundespräsidialamt reagiert auf Zweifel an einigen Passagen der Mauerfall-Rede von Bundespräsident Horst Köhler und geht im eigenen Online-Auftritt auf Distanz zu den Äußerungen.Bei der Rede zum 20. Jahrestag der Leipziger Montagsdemonstration hatte Köhler am Freitag voriger Woche geäußert, am 9. Oktober 1989 seien von der DDR-Staatsmacht "Blutplasma und Leichensäcke bereitgelegt" worden. Diese Darstellung der historischen Ereignisse wurde von Zeitzeugen als falsch zurückgewiesen. Auch Panzer hätten nicht wie von Köhler erwähnt vor der Stadt gestanden.
Auf der Internetseite des Bundespräsidenten wurde die Passage nun mit einem Sternchen-Vermerk versehen. Darin wird eingeräumt, dass man sich auf das Buch eines Historikers verlassen habe, der für die von Köhler übernommenen Angaben wohl keine ausreichenden Belege habe.
Widersprüchliche und ungenaue Aussagen übernommen
Köhler (m) bei den Veranstaltungen zum 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution in Leipzig.
(Foto: dpa)
Wörtlich heißt es auf der Seite: "Die mit * gekennzeichneten Aussagen zur Bereitstellung von Panzern, Blutkonserven und Leichensäcken sind der zweibändigen Studie 'Die Friedliche Revolution. Aufbruch zur Demokratie in Sachsen 1989/90' von Michael Richter entnommen. Sie ist 2009 als Sonderdruck von der Sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung Dresden herausgegeben worden. Der Autor hat nach der Rede des Bundespräsidenten in einem Interview geäußert, er habe für diese Angaben noch keine ausreichenden Belege, es sei weitere Forschung nötig."
Der Autor des betreffenden Buches, Michael Richter, hatte gesagt: "Ich hätte es kritischer prüfen müssen, ich ärger' mich auch darüber." 99 Prozent der Informationen in seinem Buch seien richtig. "Aber wie es nun mal ist: Das eine Prozent, das nicht stimmt, fällt auf einen selber zurück." Richter räumte ein, er habe für seine Studie leider auch widersprüchliche und zum Teil ungenaue Zeitzeugen-Aussagen übernommen, darunter auch die zu angeblich bereitgestelltem Blutplasma und Leichensäcken.
Das Bundespräsidialamt hatte nach der Kritik eine Prüfung angekündigt, sich seitdem aber nicht mehr geäußert - stattdessen nun der Sternchen-Vermerk. Köhlers Sprecher Martin Kothé hatte bereits vor einer Woche vorsorglich betont: "Sollte sich herausstellen, dass uns ein Fehler unterlaufen ist, so würden wir das sehr bedauern."
dpa
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