Samstag, 14. März 2009
"Immer mehr" bringt nichts: Köhler will Revolution
Bundespräsident Horst Köhler hat sich angesichts der Wirtschaftskrise für "eine neue, ökologische industrielle Revolution" ausgesprochen. "Ein quantitatives 'Immer mehr' bringt den Menschen kein dauerhaftes Glück. Was wir vor allem brauchen, ist qualitatives Wachstum", sagte Köhler der "Passauer Neuen Presse". Wachstum sei kein Wert an sich.
Köhler forderte die Bürger auf, ihre eigenen Konsumgewohnheiten zu überdenken. Die armen Länder mit ihren schnell wachsenden Bevölkerungen würden "uns mit Recht den Verbrauch von Rohstoff- Ressourcen streitig machen". Er fügte hinzu: "Früher gab es nur den Sonntagsbraten, heute ist bei vielen täglich Fleisch auf dem Tisch. Das hat Folgen: Für den Anbau von Soja als Futter zum Beispiel wird Regenwald abgeholzt. Diesen Zusammenhang müssen wir sehen." Glück sei nicht nur, sich alles leisten zu können, sondern auch "Zeit für den Freundeskreis, das Bier mit den Nachbarn oder soziales Engagement für andere".
Kritik übte der Bundespräsident erneut an Managern, die in der Finanzkrise einen Scherbenhaufen hinterlassen hätten, ohne persönlich dafür nennenswert zu haften. "So etwas tut man nicht", sagte Köhler der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Der Markt brauche "Regeln und Moral".
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