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Sonntag, 01. Januar 2017

650 Nordafrikaner überprüft: Kölner Polizei verteidigt ihre Strategie

Mehr als 1500 Polizisten sind zu Silvester in Köln im Einsatz. Ganz ruhig verläuft die Nacht aber nicht: 650 Menschen vor allem aus Nordafrika werden überprüft. Bei ihnen sei eine "Grundaggressivität" festgestellt worden, heißt es. Es gibt Dutzende Festnahmen.

In der Silvesternacht hat ein Großaufgebot der Polizei in Köln eine Wiederholung der massiven Übergriffe auf Frauen sowie Diebstähle wie zu Silvester 2015 verhindert. Erneut seien mehrere hundert junge Nordafrikaner nach Köln gereist, sagte Polizeipräsident Jürgen Mathies. Die Beamten hätten aber rund 650 Menschen schon bei der Fahrt in die Kölner Innenstadt an Bahnhöfen gestoppt.

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Bei den überwiegend jungen Männern sei eine "Grundaggressivität" festgestellt worden, es sei mit Straftaten zu rechnen gewesen, sagte Mathies. Die Personalien seien überprüft und Platzverweise erteilt worden. Mathies verteidigte das Vorgehen gegen bestimmte Gruppen. "Es ging darum, konsequent zu verhindern, dass es nochmal zu vergleichbaren Ereignissen kommt wie im vergangenen Jahr."

Der Polizeipräsident verwahrte sich gegen den Vorwurf des "racial profiling", womit ein gezieltes polizeiliches Vorgehen nach ethnischen Gesichtspunkten bezeichnet wird. Es sei um das Verhalten dieser Männer gegangen, betonte er. Im Übrigen seien genauso auch Deutsche überprüft worden.

Die im Bereich des Doms eingerichtete Schutzzone habe zu einer Befriedung des Bereichs geführt, sagte Mathies weiter. Größere Zwischenfälle gab es nicht. Die große Mehrheit der Besucher habe ausgelassen und friedlich gefeiert, erklärte der Einsatzleiter der Polizei, Andreas Sydow, bei Twitter.

"Kölner haben sich den Raum zurückgeholt"

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Rund um die Innenstadt gab es laut Mathies 190 Platzverweise. 92 Personen kamen demnach in Gewahrsam, 27 Personen wurden vorläufig festgenommen. Darunter waren auch Deutsche. Die übrigen hätten sich über sehr viele Nationalitäten verteilt. Es wurden zehn Sexualdelikte angezeigt, Vergewaltigungen waren nicht darunter. Zudem erhielten auch sechs Rechtsextremisten in Köln Platzverweise. 1500 Polizisten waren im Einsatz - mehr als zehnmal so viele wie 2015. Wegen des großen Zulaufs aggressiver junger Männer wurde die Zahl aber nochmals auf 1700 Beamte verstärkt.

Hinzu kamen rund 300 Bundespolizisten. Die Bundespolizei vermeldete insgesamt 900 Platzverweise in Nordrhein-Westfalen. Es habe durchaus Situationen gegeben, die an die vorangegangene Silvesternacht erinnert hätten, sagte der Präsident der Bundespolizeidirektion, Wolfgang Wurm.

Auch die parteilose Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker zog eine positive Bilanz. Sie verwies auf die eingerichteten Lichtinstallationen, die zahlreiche Besucher anlockte. "Die Kölner haben sich den Raum zurückgeholt", sagte Reker. "Ich bin erleichtert, dass es so gelaufen ist", sagte sie.

In der Silvesternacht 2015 hatten sich rund um den Dom etwa 1000 Männer vorwiegend aus Nordafrika versammelt. Frauen wurden von ihnen umringt und massiv sexuell belästigt oder genötigt. Zudem wurden Menschen massenhaft bestohlen und der Gottesdienst im Dom gezielt gestört. Das Ausmaß der Zwischenfälle wurde erst Tage später bekannt. Der Polizei wurde Versagen und eine Vertuschung der Zwischenfälle vorgeworfen.

Friedliche Stimmung in Berlin

Auf der Partymeile am Brandenburger Tor in Berlin begrüßten derweil nach Veranstalterangaben Hunderttausende Menschen bei einem großen Feuerwerk das neue Jahr. Die Polizei vermeldete sechs Anzeigen von Frauen wegen sexueller Beleidigung oder sexueller Nötigung. Zwei Frauen konnten den jeweiligen Tatverdächtigen Polizisten zeigen. Ein 20-Jähriger und ein 26 Jahre alter Mann wurden daraufhin festgenommen.

Rund 1500 Polizisten und 600 Ordner hatten nach Angaben der Veranstalter für Sicherheit gesorgt. Nach dem Lkw-Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember war die Strecke zwischen dem Brandenburger Tor und der Siegessäule mit Zäunen, Betonblöcken und Fahrzeugen abgeriegelt. Besucher wurden streng kontrolliert, Feuerwerkskörper und andere gefährliche Gegenstände waren verboten. Polizisten waren auch mit Maschinengewehren im Einsatz.

Quelle: n-tv.de

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