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In Riad empfängt König Salman die Würdenträger des Landes.
In Riad empfängt König Salman die Würdenträger des Landes.(Foto: dpa)

Trauerfeier für König Abdullah: Könige und Präsidenten reisen nach Riad

Öl ist wichtiger als Peitschenhiebe: Der britische Premier, der französische Präsident und der spanische König reisen nach Saudi-Arabien, um dem neuen König von Saudi-Arabien ihr Beileid auszusprechen. Aus den USA kommen Vizepräsident und Präsident.

Nach dem Tod des saudi-arabischen Königs Abdullah reisen Staats- und Regierungschefs aus aller Welt nach Riad, um dem Herrscherhaus zu kondolieren. Am Samstag und Sonntag empfängt Abdullahs Nachfolger und Halbbruder Salman nach dem Abendgebet im Königspalast die Trauergäste. Aber auch in den Tagen danach reisen noch hochrangige Besucher an.

US-Präsident Barack Obama sagte einen Besuch des Taj Mahal im Norden Indiens ab, um nach Saudi-Arabien zu fliegen. Am Sonntag wird Obama in Indien erwartet. Am Dienstag würden der Präsident und seine Frau für einen Kondolenzbesuch nach Riad reisen, um dem neuen König Salman ihr Beileid auszusprechen, teilte das Weiße Haus mit.

An diesem Samstag werden die USA durch Vizepräsident Joe Biden in Riad vertreten. Zum Trauermarsch für die 17 Toten der Terrorserie in Paris waren dagegen weder Obama noch Biden gekommen - als einziges großes westliches Land waren die USA lediglich durch ihren Botschafter vertreten.

In Riad werden heute unter anderem der französische Präsident François Hollande, der britische Premierminister David Cameron sowie Spaniens König Felipe VI. erwartet. Selbst der schiitische Iran schickt trotz langjähriger Feindschaft mit Saudi-Arabien seinen Außenminister Mohammed Dschawad in das streng sunnitische Königreich.

Merkel, Gauck und Steinmeier fahren nicht

Aus Deutschland reist überraschend Altbundespräsident Christian Wulff nach Saudi-Arabien. Eine Regierungssprecherin sagte, Wulff werde Deutschland auf Bitten von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Riad vertreten. Zu den Gründen für diese Entscheidung und zu der Frage, warum nicht die Kanzlerin selbst, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier oder Bundespräsident Joachim Gauck nach Riad reisen, äußerte sie sich nicht.

Gauck feiert an diesem Samstag seinen 75. Geburtstag. Sein Beileidstelegramm an den neuen saudi-arabischen König Salman würdigte die Bemühungen des verstorbenen Herrschers "um die Stabilität im arabischen Raum", lobte den König aber nicht als engen Partner, wie dies etwa Obama gemacht hatte.

Merkels Kondolenztelegramm würdigte Abdullahs "ausgewogene und vermittelnde Politik im Nahen Osten", die ihm "Respekt und Anerkennung" gebracht habe. "Mit Klugheit, Weitsicht und großem persönlichen Einsatz ist er für eine behutsame Modernisierung seines Landes und für den Dialog der islamischen Welt mit dem Westen eingetreten", heißt es in dem Schreiben weiter.

Obama erklärte nach dem Tod des Königs, er habe immer Abdullahs Sichtweise geschätzt und ihrer beider "echte und warme Freundschaft" zu würdigen gewusst. "Als Staatsmann war er immer ehrlich und hatte den Mut, zu seinen Überzeugungen zu stehen. Eine dieser Überzeugungen war sein standhafter und leidenschaftlicher Glaube an die Wichtigkeit der Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien als Antrieb für Stabilität und Sicherheit im Nahen Osten und darüber hinaus."

Raif Badawis Schicksal unklar

Angesicht der Lobbekundungen kritisierte Amnesty International, zahlreiche Staaten hätten Saudi-Arabien "protegiert", obwohl dessen Regierung "in Menschenrechtsfragen gefühllos" sei. Grund für dieses Wohlwollen sei Saudi-Arabiens Vorherrschaft im Ölhandel und dessen Rolle als "Verbündeter im Kampf gegen Terrorismus", sagte Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty.

Unterdessen ist das Schicksal des zu 1000 Stockschlägen verurteilten Bloggers Raif Badawi weiter ungewiss. "Soweit wir wissen, wurde die Prügelstrafe heute nicht vollzogen", sagte die zuständige Sprecherin bei Amnesty International am Freitag in London. "Aber so lange das Urteil in Kraft ist, ist Raif Badawi in Gefahr."

Ärzte hatten empfohlen, den Mann aus gesundheitlichen Gründen den zweiten Freitag in Folge zu verschonen. Das sei aber für die Behörden nicht bindend, betonte die Menschenrechtsexpertin.

Quelle: n-tv.de

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