Politik
Stephan-Andreas Casdorff (l.) und Nikolaus Blome (r.) im Gespräch mit Heiner Bremer
Stephan-Andreas Casdorff (l.) und Nikolaus Blome (r.) im Gespräch mit Heiner Bremer

Casdorff und Blome in "Das Duell": "Könnten ein dauerhaftes Problem kriegen"

Von Timo Kather

Ist die AfD zur Volkspartei geworden? Wurde Merkels Kurs in der Flüchtlingspolitik gestärkt oder abgestraft? Darum ging es in der Wahl-Analyse in der Sendung "Das Duell bei n-tv" mit den Publizisten Stephan-Andreas Casdorff und Nikolaus Blome.

Programmhinweis

Das Duell bei n-tv: Zum Thema: "Willkommenskultur oder Fremdenhass - was ist deutsch?"diskutiert Heiner Bremer - letztmalig - mit seinen Gästen Gerhart Baum und Alexander Gauland. Wiederholung um 23.10 Uhr.

Der Publizist Stephan-Andreas Casdorff hat die etablierten Parteien aufgefordert, die Wähler der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) ernst zu nehmen. "Das ist jetzt die Protest-Sammlungsbewegung", sagte der Chefredakteur des "Tagesspiegel" aus Berlin in "Das Duell bei n-tv". "Da haben wir den Protest, und wenn der Protest nicht behandelt wird, dann kriegen wir ein dauerhaftes Problem", warnte Casdorff.

Bei den Landtagswahlen am Sonntag hatte die AfD in drei Bundesländern zweistellige Ergebnisse eingefahren, in Sachsen-Anhalt wurde sie zweitstärkste Kraft hinter der CDU. Die AfD positioniert sich als einzige Partei klar gegen die Flüchtlingspolitik der Großen Koalition - offenbar machten die Bürger deshalb ihr Kreuz bei den Rechtspopulisten.

Nichtwähler mobilisiert

"Gemessen an der Größe des Schocks, der heute durch Berlin rauscht, muss man sagen: Diese Protestwahl ist, auf der nach oben offenen Protestskala, den Leuten ganz schön geglückt", konstatierte Nikolaus Blome, stellvertretender Chefredakteur der "Bild"-Zeitung. Man könne der Wahl aber durchaus auch Positives abgewinnen, so Blome: "Immerhin hat die Partei knapp 400.000 Nichtwähler mobilisiert, und das finde ich jetzt nicht so schlecht."

Besonders paradox mutet der Umstand an, dass die CDU-Kandidaten abgestraft wurden, während die Grünen-Politiker Winfried Kretschmann (Baden-Württemberg) und die SPD-Politikerin Malu Dreyer (Rheinland-Pfalz) mit einem klaren Bekenntnis zur Flüchtlingspolitik der Kanzlerin bei den Wählern punkten konnten. "Man kann für diese Flüchtlingspolitik gewählt werden, man darf halt nur nicht in der CDU sein", sagte Blome.

Allerdings hatte die SPD in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt schwere Schlappen einstecken müssen. Den Sozialdemokraten stünden schwere Zeiten bevor, sagte Casdorff: "Sie werden kämpfen müssen, bei der nächsten Bundestagswahl über 20 Prozent zu kommen." Eine Ablösung der Kanzlerin sei nur vorstellbar, wenn die SPD sich einer Koalition mit der Linkspartei im Bund öffnen würden, da waren sich beide Journalisten einig. "Das könnte Sigmar Gabriel nur dann schaffen, wenn er sagt: ich mache eine wirkliche linke Koalition, Rot-Rot-Grün", sagte "Bild"-Vize Blome.

Quelle: n-tv.de

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