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"Am Arsch des Propheten": Kohl rechnet ab

Mehr als 600 Stunden spricht Altkanzler Kohl mit seinem Ghostwriter über sein politisches Leben. Die 200 Tonbänder sind auch Gegenstand einer juristischen Auseinandersetzung. Stück für Stück gelangen nun Details an die Öffentlichkeit. Fein sind sie nicht.

Altkanzler Helmut Kohl lässt kein gutes Haar an so manchem CDU-Politiker. Das berichtet "Der Spiegel". Das Nachrichtenmagazin beruft sich dabei auf Gespräche zwischen Kohl und seinem ehemaligen Ghostwriter Heribert Schwan. Allerdings ist dem langjährigen CDU-Chef sein Biograf inzwischen selbst ein Dorn im Auge. Er will sogar juristisch die Veröffentlichung des neuen Kohl-Buches Schwans beim Heyne-Verlag verhindern.

Schwan will das Urteil nicht auf sich sitzen lassen.
Schwan will das Urteil nicht auf sich sitzen lassen.(Foto: dpa)

Wie das Magazin "Focus" berichtet, verdächtigt Kohl Schwan, für die Publikation jene 200 Tonbänder mit insgesamt 600 Stunden aus ihren gemeinsamen Gesprächen verwertet zu haben, deren Nutzung ihm nach seinem Bruch mit dem Altkanzler 2009 vom Oberlandesgericht Köln in diesem August untersagt wurde.

Erstmals werden die Gespräche in Auszügen beim "Spiegel" veröffentlicht. So sagte Kohl etwa drei Jahre nach seiner Abwahl über die damalige Parteichefin und jetzige Bundeskanzlerin: "Frau Merkel konnte ja nicht mal richtig mit Messer und Gabel essen." Über den damaligen niedersächsischen CDU-Chef Wulff sagte er: "Das ist ein ganz großer Verräter. Gleichzeitig ist er auch eine Null." Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm, der ihn in der Spendenaffäre kritisierte, nennt Kohl ebenfalls einen "Verräter". Und der frühere Unions-Fraktionschef Friedrich Merz heißt bei Kohl laut "Spiegel" "politisches Kleinkind".

Moskaus Schwäche war der Grund

In den Auszügen soll sich Kohl auch drastisch zur Revolution und deren Ursachen in der DDR geäußert haben. Nach seiner Meinung habe nicht in erster Linie die Bürgerrechtsbewegung zum Zusammenbruch des DDR-Regimes beigetragen. Laut "Spiegel" soll Kohl in den Gesprächen mit Schwan gesagt haben: "Es ist ganz falsch, so zu tun, als wäre da plötzlich der Heilige Geist über die Plätze in Leipzig gekommen und hat die Welt verändert." Vielmehr sei die Schwäche Moskaus ursächlich gewesen für den Zusammenbruch der kommunistischen Diktatur in der DDR. "Gorbatschow ging über die Bücher und musste erkennen, dass er am Arsch des Propheten war und das Regime nicht halten konnte", sagte Kohl.

Der WDR-Journalist Schwan hatte in den Jahren 2001 und 2002 insgesamt mehr als 600 Stunden lang Gespräche mit dem Altkanzler aufgezeichnet. Sie dienten ihm bei der Abfassung der Kohl-Memoiren, bevor sich dieser 2009 im Streit von Schwan trennte. Über den Streit muss wohl der Bundesgerichtshof entscheiden. Der Journalist hat in Karlsruhe Revision gegen das Kölner Urteil eingelegt. Danach darf Kohl die 200 Tonbänder behalten. Schwan erhebt als Ghostwriter ebenfalls Anspruch darauf.

Quelle: n-tv.de

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