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Die Suche nach einem deutschen Endlager soll völlig ergebnisoffen beginnen.
Die Suche nach einem deutschen Endlager soll völlig ergebnisoffen beginnen.(Foto: dpa)
Dienstag, 05. Juli 2016

Eine-Million-Jahre-Atommüllplan: Kommission will Endlager mit Rückholoption

Wo soll der Atommüll in Deutschland hin? Nach zweijährigen Beratungen legen Experten ihre Empfehlungen vor. Die Endlagerkommission ruft Bundesländer und Atomkraftgegner zur Kooperation auf.

Die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll bewegt Deutschland seit Jahrzehnten. Die Endlagerkommission des Bundestages hat die Anti-Atomkraft-Bewegung und die Länder nun aufgerufen, die Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll nicht zu behindern. Es sei klar, "dass wir jetzt unabhängig von früheren Positionen das Problem lösen müssen", sagte der Vorsitzende Michael Müller.

Was empfiehlt die Kommission?

Nach rund zweijähriger Detailarbeit empfehlen die in dem Gremium sitzenden Experten und Vertreter wichtiger mit dem Thema befasster gesellschaftlicher Gruppen, den Abfall in einem unterirdischen Bergwerk zu lagern - und zwar so, dass er im Notfall zumindest für gewisse Zeit wieder zurückgeholt werden könnte, etwa um auf Probleme zu reagieren.

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Sie sprechen sich außerdem dafür aus, keines der drei potenziellen Wirtsgesteine Salz, Ton und Granit sowie keinen Standort von vornherein auszuschließen. Das gilt auch für Gorleben, auf das sich die früheren Planungen ausschließlich konzentrierten. Geeignete Standorte sollen in einem mehrstufigen Verfahren nach wissenschaftlichen Kriterien immer genauer analysiert und verglichen werden. Am Ende soll der beste übrigbleiben.

Welches Gewicht haben die Empfehlungen der Kommission?

Es handelt sich um Vorschläge einer Enquetekommission, die Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung bei der Überprüfung und Verbesserung des bereits 2013 beschlossenen Standortauswahlgesetzes beraten soll. Es regelt den gesamten Such- und Auswahlprozess.

Aufgabe des Gremiums war es unter anderem, Sicherheitsanforderungen zu formulieren. Es sollte außerdem Möglichkeiten für Öffentlichkeitsbeteiligungen prüfen. Bundestag und Bundesrat bleiben allerdings Herren des Verfahrens, sie müssen den Ideen nicht folgen.

Die Arbeit der Kommission sollte zugleich auch dazu dienen, einen breiten Konsens über strittige Fragen herzustellen. Insofern würde es überraschen, wenn Parlament und Länderkammer die Ideen ignorieren sollten - zumal Vertreter beider Institutionen im Gremium mitarbeiteten. Sie waren beim Abschlussbericht jedoch nicht stimmberechtigt.

Wie geht es weiter?

Nach der neuerlicher Überprüfung des Standortauswahlgesetzes kann die "heiße Phase" der Suche nach einem Endlager beginnen, die nach dem Atomausstieg 2011 noch einmal neu gestartet wurde. Der Begriff ist angesichts der im Raum stehenden Zeitspanne aber etwas irreführend: Niemand rechnet damit, dass ein Endlager vor dem Jahr 2050 eröffnet.

Bis dahin stehen diverse Zwischenschritte an - immer verbunden mit einer Beteiligung der Öffentlichkeit sowie Beschlüssen von Bundestag und Bundesrat, die sich zu späteren Zeitpunkten etwa auf detaillierten Prüf- und Vergleichskriterien für die verschiedenen Stufen des Auswahlverfahrens einigen müssen. Auch der Rechtsweg steht jedes Mal offen.

Zuerst werden in Frage kommende Standortregionen ermittelt, dann folgen erste Tests der überirdischen Gegebenheiten an möglichen Standorten. Die am besten geeigneten sollen dann in eingehenden unterirdischen Untersuchungen und Sicherheitsprüfungen analysiert werden und verglichen werden. Am Ende entscheiden Bundestag und Bundesrat.

Was gibt letztlich den Ausschlag?

Das Endlager soll hochradioaktiven Atommüll laut Standortauswahlgesetz für eine Million Jahre sicher einschließen. Auf dieser Prämisse beruht der gesamte Prozess. In welchen Formationen dies am besten gewährleistet ist, hängt von vielen Faktoren ab.

Generell werden Steinsalz, Ton und kristalline Hartgesteine wie Granit als geeignet angesehen. Alle haben Vor- und Nachteile. Über die Eignung eines konkreten Standorts entscheiden am Ende viele geologische und bergmännische Details: Wasserdurchlässigkeit und Wärmeleitfähigkeit, die Dicke der Deckschichten oder auch seismische Aktivitäten.

Wird nun alles im Konsens verlaufen?

Das ist auch nach Vorlage des Berichts kaum anzunehmen, zu viele Punkte bleiben strittig. So erklärte die Umweltorganisation Greenpeace, die sichere Endlagerung in Bergwerken sei dauerhaft unmöglich. Zudem scheide Salz aus, weil es sich verforme sowie die Behälter mit Atommüll verschiebe und zerdrücke. An der Endlagerkommission wollte sich Greenpeace wie viele andere Umweltverbände gar nicht erst beteiligen.

Quelle: n-tv.de

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