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Einigkeit in Neapel: Gauck, Napolitano und Komorowski (v.l.n.r.).
Einigkeit in Neapel: Gauck, Napolitano und Komorowski (v.l.n.r.).(Foto: dpa)

Gauck: Polen fleißiger als Deutsche: Komorowski strahlt

Dass Klischees nicht immer etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben, ist altbekannt. Nun räumt auch Bundespräsident Gauck mit so manchem Vorurteil auf. In Italien würdigt er Polen als "Motor der europäischen Idee" und lobt ausdrücklich ihren Fleiß. Dabei kann er sich auch auf statistische Daten stützen.

Herzlicher Empfang: Gauck und Komorowski im März dieses Jahres. In Gaucks Wohnung und im Präsidentenpalast hängt das Solidarnosc-Plakat.
Herzlicher Empfang: Gauck und Komorowski im März dieses Jahres. In Gaucks Wohnung und im Präsidentenpalast hängt das Solidarnosc-Plakat.(Foto: dpa)

Bundespräsident Joachim Gauck kennt Polen gut. In seiner Wohnung hängt ein Plakat der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc, seine erste Auslandsreise im höchsten deutschen Staatsamt führte ihn nach Polen. Nun hat er sich mit seinem Kollegen aus Polen und Italien, Bronislaw Komorowski und Giorgio Napolitano, in Neapel getroffen und dort wieder wärmste Worte für die deutschen Nachbarn gefunden.

"Polen sind fleißiger als Deutsche", sagte Gauck bei dem Treffen, wie die "Bild"-Zeitung berichtet. Die Begründung lieferte er gleich hinterher: So arbeiteten Polen rund 100 Stunden länger im Jahr. Gauck würdigte zudem das aufstrebende Polen, das als eines der wenigen europäischen Länder halbwegs unbeschadet durch die Eurokrise kam, als "Motor der europäischen Idee".

Auf polnischer Seite zeigte man sich sichtlich erfreut über die Worte des ehemaligen Bürgerrechtlers. Dem Medienbericht zufolge strahlte Komorowski und bedankte sich zweimal für die "netten Worte".

Dabei ist Gaucks Lob mehr als eine Schmeichelei. Eine OECD-Studie aus dem Jahr 2010 zeigt, dass Polen tatsächlich deutlich mehr als die Deutschen arbeiten. Im OECD-Ranking liegen sie international auf Platz 3, die Deutschen dagegen auf Platz 24.

Schon bei seinem Antrittsbesuch im März dieses Jahres hatte Gauck Polen überschwänglich gelobt. "Wir haben viel zu lernen von unseren polnischen Nachbarn", sagte er. "Für mich ist Polen das europäische Land der Freiheit. Ein Liebhaber der Freiheit wird sich dort immer wohlfühlen."

Aufruf von Neapel

Gauck und seine Amtskollegen veröffentlichten außerdem einen "Aufruf von Neapel", in dem sie die Rolle Mittel- und Osteuropas bei den friedlichen Revolutionen explizit würdigten. "Vor mehr als 20 Jahren haben die Menschen, die in Mittel- und Osteuropa auf die Straße gegangen sind, gezeigt, welche Kraft der Freiheitsgedanke hat, der unserem Europa von Anfang an die Basis gegeben hat", heißt es in der Erklärung, die eine "Botschaft der Ermutigung" sein soll. "Wir werden die ernste wirtschaftliche und finanzielle Krise überwinden."

"Besinnen wir uns auf unsere Kreativität, auf unsere ökonomischen Fähigkeiten und auf unsere politische Kultur", fordern die drei Staatschefs weiter. Außerdem rufen sie zu Solidarität auf und verlangen, "gegenseitigen Ressentiments und nationalistischen und engstirnigen Denkweisen" entgegenzutreten. Nur wenn Europa zusammenstehe, werde es gelingen, die Herausforderungen der globalisierten Welt zu bestehen.

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Quelle: n-tv.de

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