Ausstieg vom AusstiegKonzerne wären Gewinner
Im Fall einer pauschalen Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke winken den Stromkonzernen zusätzliche Milliardeneinnahmen, über deren Verwendung sie frei entscheiden könnten.
Im Fall einer pauschalen Laufzeitverlängerung winken den Stromkonzernen offenbar zusätzliche Milliardeneinnahmen. Dies berichtet das "Handelsblatt".
Wenn die wirtschaftlich weitgehend abgeschriebenen Atommeiler acht Jahre länger als laut Atomausstieg geplant am Netz bleiben, könnte dies dem RWE-Konzern acht Milliarden Euro und dem Konkurrenten Eon sogar zwölf Milliarden Euro einbringen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf eine Analyse der Bank Sal. Oppenheim. EnBW-Chef Hans-Peter Villis sagte dem "Handelsblatt", er sei bereit, diese Vorteile unter anderem in den Ausbau der erneuerbaren Energien und in die Energieforschung zu investieren.
Koalitionsstreit hält an
CSU-Parteichef Erwin Huber forderte indes die SPD auf, der Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken zuzustimmen. Die Sozialdemokraten sollten sich von der Linie der ehemaligen rot-grünen Koalition verabschieden, sagte Huber der "Passauer Neuen Presse". Er appellierte an den Berliner Koalitionspartner, "an Klima und Arbeitsplätze gleichzeitig zu denken und vom verhängnisvollen Irrtum ihrer Zusammenarbeit mit den Grünen Abschied zu nehmen".
Indes verteidigte SPD-Parteichef Kurt Beck im Streit um die Zukunft der Atomenergie die Linie von Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD). "Wenn die Energieversorger jüngere Atomkraftwerke länger laufen lassen wollen, müssen ältere Meiler schneller vom Netz. Das steht so im Atomkonsens", sagte Beck der in Bielefeld erscheinenden "Neuen Westfälischen". Längere Laufzeiten bedeuteten unter diesen Bedingungen aber keine Abkehr vom Atomausstieg, den die große Koalition einvernehmlich für 2021 beschlossen habe. Die SPD setze auf Energiesparen, auf die Nutzung erneuerbarer Rohstoffe sowie auf moderne Kohle- und Gaskraftwerke.
"Volksverdummung"
Am Montag hatte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil der Union vorgeworfen, sie lasse sich vor den Karren der Energiekonzerne spannen. Der Anstieg der Energiepreise habe nichts zu tun mit dem Ausstieg aus der Atomkraft. "Uns ist nicht bekannt, dass die Autos in Deutschland mit Kernbrennstäben betrieben werden oder dass wir Wohnungen mit Kernkraft beheizen", sagte Heil. Die Aussage des CDU-Generalsekretärs Ronald Pofalla, Atomkraft sei Ökoenergie, sei Volksverdummung. Das komme dem Versuch gleich, "einen Schlachthof zu einem Vegetarier-Restaurant umzudeklarieren".