Politik

Engpässe bei KrebsmittelnKrankenhäusern fehlt Medizin

18.12.2012, 16:26 Uhr
32691721
(Foto: picture alliance / dpa)

Die Kliniken schlagen Alarm: Im Schnitt fehlen haben sie 25 verschiedene Medikamente nicht ausreichend vorrätig um ihre Patienten bestmöglich zu behandeln. Krebspatienten werden umgestellt, Nebenwirkungen sind die Folge.

Engpässe bei Krebsmitteln, Antibiotika und anderen Medikamenten gefährden nach Darstellung der deutschen Krankenhäuser zunehmend schwerkranke Patienten. "Lieferengpässe von Arzneimitteln haben in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen und betreffen vielfach lebenswichtige Arzneimittel, die zur Behandlung schwerster Erkrankungen zwingend benötigt werden", warnt die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG).

Bei einer weiteren Verschärfung der Situation könne die Versorgung schwerstkranker Patienten mit notwendigen Arzneimitteln womöglich nicht mehr sichergestellt werden, so die DKG in ihrem Schreiben vom November. "Arzneimittel zur Behandlung von Krebspatienten, Antibiotika und insgesamt Präparate zur intravenösen Gabe sind von Engpässen am häufigsten betroffen." Bei diesen Präparaten sei die Umstellung auf andere Mittel außerdem besonders risikobehaftet.

Die Arzneimittelhersteller selbst räumten in einem Brief an Gesundheitspolitiker Lieferschwierigkeiten bei einigen Medikamenten ein, wie die "Frankfurter Rundschau" berichtet. Unerwartet hohe Nachfrage, Qualitätsprobleme in der Produktion, eingeschränkte Kapazitäten und hoher Kostendruck seien die Ursachen.

Einfluss der Pharma-Lobby?

Das Bundesgesundheitsministerium sagte weitere Gespräche mit allen Beteiligten zu Beginn des neuen Jahres zu, nachdem bereits über Ursachen und Abhilfe diskutiert worden sei. "Wir haben in Deutschland flächendeckend eine sehr gute Arzneimittelversorgung", betonte ein Sprecher. Er sprach von Einzelfällen. Der Verband forschender Arzneimittelhersteller versicherte, meist könnten die Medikamente schnell geliefert werden. Mit Hochdruck arbeiteten die Hersteller daran, Lieferprobleme zu überwinden.

Die Vorgaben des Arzneimittelgesetzes reichten nicht aus, sagte der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft Wolf-Dieter Ludwig im rbb-Inforadio. Ursprünglich habe der Gesetzgeber vorgehabt, Landesbehörden erweiterte Befugnisse in dem Bereich zu geben, um die Bereitstellung von lebensnotwendigen Medikamenten sicherzustellen. Diese Passagen seien aus dem Gesetz entfernt worden. "Ich vermute, dass da die Lobby der pharmazeutischen Hersteller durchaus Einfluss ausgeübt hat."

Laut DKG wurden die Kliniken in 80 Prozent der Lieferausfälle vorab nicht informiert. In 20 Prozent der Fälle mussten Patienten auf therapeutisch nicht gleichwertige Alternativen umgestellt werden. An einer Erfassung der Engpässe hätten sich 19 Klinikapotheken beteiligt, die 99 Krankenhäuser versorgen. In den beteiligten Häusern standen laut DKG in einem Monat im Schnitt 25 der 400 bis 600 verwendeten Mittel nicht oder nicht ausreichend zur Verfügung.

Hersteller sprechen von Einzelfällen

Der Bremer Gesundheitsexperte Gerd Glaeske nahm die Pharmaindustrie ins Visier. "Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass ein Pharmaunternehmen nur mit Herstellungsbetrieben zusammenarbeitet, die auch zuverlässig liefern können", sagte er im BR. "Die kostengünstigen Hersteller sind weit weg, das Just-in-Time-Prinzip funktioniert aber oft nicht, wenn die Herstellerbetriebe in China oder Indien sitzen."

Der Branchenverband Pro Generika wandte sich gegen Panikmache. Er sehe keinen generellen Engpass in Deutschland, sagte Geschäftsführer Bork Bretthauer dem Sender MDR Info. Es handele sich um einige Fälle, in denen eine Therapie verschoben oder der Patient auf ein anderes Medikament umgestellt worden sei.

Nach Meinung der DKG sollten Hersteller verpflichtet werden, erkennbare Lieferengpässe frühestmöglich zu melden. Nötig sei der Aufbau eines zentralen Melderegisters für solche Lieferengpässe.

Quelle: ntv.de, dpa