Politik
Die Kassen haben Milliarden gesammelt.
Die Kassen haben Milliarden gesammelt.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 22. August 2017

Konjunktur und Zuweisungen: Krankenkassen sitzen auf Milliardenpolster

Die deutschen Krankenkassen stocken im ersten Halbjahr ihre Reserven weiter auf. Das dürfte in den kommenden Monaten die Beiträge stabil halten. Doch die Entwicklung ist endlich - und nicht alle Kassen profitieren.

Die Rekordbeschäftigung und die gute Konjunktur füllen die Kassen der gesetzlichen Krankenversicherung und dürften die Mitglieder vorerst vor Beitragserhöhungen verschonen. Die Kassen erwirtschafteten in den ersten sechs Monaten einen Überschuss von 1,4 Milliarden Euro, wie aus Vorabmeldungen hervorgeht. Damit wurde der Überschuss von 612 Millionen Euro aus dem ersten Quartal nochmals mehr als verdoppelt. Die Finanzreserven der gesetzlichen Krankenkassen sind damit bis Mitte des Jahres auf rund 17,5 Milliarden Euro gestiegen. Nach dem ersten Quartal 2017 lagen sie noch bei 16,7 Milliarden Euro.

Somit wurde im ersten Halbjahr 2017 fast schon der Überschuss des gesamten Vorjahres in Höhe von 1,62 Milliarden Euro erreicht. Im Gesundheitsfonds, über den die Gelder an die einzelnen Kassen verteilt werden, befanden sich Ende 2016 rund 9,1 Milliarden Euro. Die günstige Einnahmenentwicklung bei den Kassen dürfte dafür sorgen, dass die Beiträge für die Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen im kommenden Jahr stabil bleiben.

Denn zu der guten Konjunktur und der Rekordbeschäftigung kommt noch eine Sonderzuweisung von 1,5 Milliarden Euro aus dem Geldpolster des Gesundheitsfonds, die Gesundheitsminister Hermann Gröhe den Kassen im Wahljahr 2017 zugesichert hatte. Aber auch die Zuwanderer spielen eine Rolle. Wegen Hunderttausender neuer Versicherter verzeichnen die Kassen einen neuen Mitgliederrekord und eine Trendwende gegen das Älterwerden der Versicherten.

Das Einnahmenplus kommt jedoch nicht bei allen Kassenarten im gleichen Maße an. Viele Kassen sehen in den Zahlen eine weitere Bestätigung dafür, dass das derzeitige Finanzverteilsystem über den sogenannten Risikostrukturausgleich nicht für einen gerechten Wettbewerb sorge. Die Zuteilungen erfolgen vor allem nach Krankheitsschwere und -häufigkeit der Versicherten. Begünstigt würden vor allem die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), so die Kritik.

Gröhe will bis Herbst einen Reformbedarf prüfen. Fachleute gehen davon aus, dass die gute Finanzlage der Sozialkassen auch noch in der nächsten Legislaturperiode anhält. Danach werde sie wegen der älter werdenden Bevölkerung und der damit einhergehenden sinkenden Zahl von Menschen im erwerbsfähigen Alter schlechter.

Quelle: n-tv.de

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