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Der 26 Jahre alte Oberfeldwebel Florian Pauli wurde in Afghanistan bei der Explosion eines Sprengsatzes getötet.
Der 26 Jahre alte Oberfeldwebel Florian Pauli wurde in Afghanistan bei der Explosion eines Sprengsatzes getötet.(Foto: picture alliance / dpa)

Bundeswehrsoldaten traumatisiert: Krieg macht krank

In Deutschland sind so viele Bundeswehr-Soldaten traumatisiert wie noch nie seit Beginn der Auslandseinsätze. An der Seele verwundete Soldaten kommen vor allem aus Afghanistan zurück. Die Soldaten müssen nicht nur den Tod von Kameraden verkraften, sondern auch das "Selber-Töten-Müssen". Derweil verlängert die Bundesregierung drei Militärmissionen.

Die Zahl der in Behandlung befindlichen Bundeswehr-Soldaten mit Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) ist so hoch wie noch nie seit Beginn der Auslandseinsätze. Das geht nach einem Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung" aus neuesten Statistiken des Trauma-Zentrums der Bundeswehr hervor. Die Zahl der 2010 behandelten PTBS-Kranken lag demnach in den ersten drei Quartalen bei 483 und ist damit bereits höher als im ganzen vergangenen Jahr.

"Der Behandlungsbedarf ist im Laufe der Jahre gewachsen", sagte der Psychiater am Bundeswehr-Krankenhaus, Peter Zimmermann, der Zeitung. Einsatz druck und Einsatz belastung seien gestiegen, aber auch die Bereitschaft, sich in Behandlung zu begeben, sei größer geworden.

Die Häufigkeit der PTBS-Fälle habe zuletzt kontinuierlich zugenommen ­ von 149 im Jahr 2007, 245 (2008), 466 (2009) auf 483 bis Ende September 2010. In diesem Jahr entfallen nach dem Bericht 397 der 483 PTBS-Behandlungen auf Soldaten im Afghanistan-Einsatz , 28 auf Soldaten, die auf dem Balkan Dienst taten, und 58 auf andere, nicht näher spezifizierte Auslöser.

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, sagte: "Dass die Rückkehr an der Seele verwundeter Soldatinnen und Soldaten zunimmt, verwundert nicht. Schließlich finden vermehrt Gefechte statt. Die Soldaten erleben nicht nur, dass der Kamerad neben ihnen verwundet wird oder fällt. Hinzu kommt das Selber-Töten-Müssen." Seit Beginn des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan 2002 starben dort 44 deutsche Soldaten.

Kirsch beklagte, dass es nicht genug Therapeuten gebe. Im Frühjahr waren von 42 psychiatrischen Dienstposten in der Truppe lediglich 24 besetzt.

Kabinett verlängert drei Militäreinsätze

Nach dem Willen der Regierung soll die Bundeswehr weiter in Bosnien-Herzegowina, im Indischen Ozean und im Mittelmeerraum eingesetzt werden. Das Kabinett beschloss die Verlängerung von drei Missionen um jeweils ein Jahr.

Die größte ist der Anti-Piraterie-Einsatz "Atalanta" am Horn von Afrika, an der die Marine derzeit mit 320 Soldaten beteiligt ist. Die Höchstgrenze soll weiter bei 1400 Soldaten liegen. Auch der Marine-Einsatz "Active Endeavour" im Mittelmeerraum soll um ein Jahr verlängert werden. Im Moment sind keine deutschen Schiffen daran beteiligt, die Bundeswehr soll aber weiterhin jederzeit bis zu 700 Soldaten dafür zur Verfügung stellen können.

In Bosnien sind aktuell 115 deutsche Soldaten stationiert. Die Obergrenze soll bei 900 Soldaten bleiben. Der Bundestag muss der Verlängerung der drei Einsätze noch zustimmen.

Quelle: n-tv.de

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